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Papilio Weihnachtskonzert 2007

Bald prangt den Morgen zu verkündenEs ist nun auch schon ein wenig her, aber wenn ich irgendetwas von den vergangenen Ereignissen, über die ich nicht geschafft habe zeitnah zu bloggen, nicht unter den Tisch fallen lassen kann, ist es dieses Debüt:

Wie ich hier vor ewigen Zeiten angekündigt habe, habe ich vor rund einem Jahr mein erstes Konzert bestritten. Also als Sängerin. :sing: ;) :D

Am 09.12.2007 fand im Stilwerk Düsseldorf das Weihnachtskonzert von Papilio statt, der privaten Musikschule, wo ich seit Mitte 2005 klassischen Gesangsunterricht nehme.

Wir haben mit 6 Teilnehmern einige Szenen aus Mozarts “Zauberflöte” aufgeführt, vor allem das Stück “Bald prangt den Morgen zu verkünden (die Sonn’ auf gold’ner Bahn)”.
Ich war Knabe #1, der Sopran. Ich möchte behaupten, dass es nach Pamina, die von jemandem gesungen wurde, die das semiprofessionell und schon eine Weile länger macht, die schwierigste Rolle war.

Ich hatte das Stück vorher schon alleine mit meiner Lehrerin durchgearbeitet, wobei sie immer Knabe #2 sang. Bei gemeinsamen Proben im Monat vor dem Konzert wurden dann die Stimmen alle zusammengefügt und das Schauspiel gesprobt.

Schon die gemeinsamen Proben – es waren 3 oder 4 insgesamt – waren eine Herausforderung für mich, da ich bis dahin ein Einzelkämpfer gewesen bin. Ich hatte halt immer nur wöchentlichen Einzelunterricht, habe nicht am Chor teilgenommen und eben auch nie zuvor an einem Konzert. Folglich waren die einzigen, die meines Sangeskünste je ertragen mussten, meine Lehrer, höchstens noch der nächste Schüler, der zu früh kam und durch die geschlossene Tür des Übungsraumes die letzten Minuten meiner Stunde mitbekam – und das machte mich schon reichlich nervös. :bibber:

Ich ließ mir jedoch nichts anmerken und irgendwann machte es mir tatsächlich auch nichts mehr aus. Oder sagen wir fast nicht.
Was natürlich nicht bedeutete, dass ich kein Lampenfieber vor dem Konzert hatte, im Gegenteil. Ich habe mir ziemlich oft gewünscht, ich hätte mich darauf nie eingelassen – wie immer bei einem Auftritt welcher Art auch immer also. :augenroll2: Ein Gedanke, der mich mittlerweile – eigentlich seit der “Matrix”-Sache – immer in solchen Situationen tröstet, ist, dass ich es überleben werde, egal was kommt. Selbst wenn ich total versage, es ist nicht das Ende. Und es dauert nur ein paar Minuten.
Glücklicherweise hatte ich gar nicht so viel Zeit, mich da hineinzusteigern. Zu der Zeit war ich viel zu sehr mit meinen gesundheitlichen Problemen beschäftigt und mit dem schieren Überleben jedes einzelnen Tages ausgelastet, so dass ich fast überrascht war, als das Konzert – plopp! – einfach da war. :)

Ärgerlicherweise bekam ich wenige Tage vor dem Konzert eine Erkältung, die wie üblich natürlich vor allem auf Hals und Stimme schlug, dabei hatte ich erst zwei oder drei Wochen vorher eine ausgewachsene Erkältung gehabt. :grr:

Die Akustik in dem Bechstein-Konzertsaal im Stilwerk war fantastisch, da brauchten selbst die nicht-klassischen Sänger kein Mikrophon. :P
Was die Größe des Publikums betrifft, so kann ich das schwer schätzen. Um die 100 Leute vielleicht, wenn die Sitzreihen so durchgehe. Klingt nicht nach viel, insbesondere da ich schon vor 3000 Leuten und auch schon im Fernsehen aufgetreten bin – aber eben nicht mit klassischem Gesang in einem anspruchsvollen Mozart-Stück. :argh:
Vor dem Beginn wurde mit fast allen Nummern noch einmal ein kurzer Durchlauf geprobt, besonders eben bei unseren “Zauberflöte”-Szenen, da dort mehrere Personen beteiligt waren und eben auch dazu gespielt wurde. Wir waren nach der Pause dran, weshalb wir uns erst in selbiger eingesungen haben.

Während des Auftrittes überkam mich das Grauen, weil ich merkte, dass ich nicht halb so gut war wie bei den Proben und im Gegensatz zu selbigen während des Auftrittes auch kleinere Fehler gemacht habe. Die fielen zwar auf Grund der Natur des Stückes niemandem auf, der es nicht sehr gut kannte, aber ich war ziemlich frustriert, auch wenn von den Lehrern und vom Publikum gerade zu unserer Nummer nachher nur Lob kam.

Ich ging mit sehr gemischten Gefühlen nach hause…
Die Erkältung hatte mich natürlich auch gehörig geärgert, aber das war Pech, psychosomatiches Pech vielleicht, aber dennoch Pech. Ehrgeizig wie ich bin, haben mich vor allem meine Fehler geärgert und die Tatsache, dass ich aus Lampenfieber gehemmt war. Es ist das Ärgerlichste überhaupt, wenn man weiss, dass man etwas eigentlich kann, nur dann nicht, wenn es darauf ankommt.

Andererseits bin ich doch recht stolz auf diese Leistung :selbstschulterklopf: , denn immerhin:

  • war dies mein erstes Konzert,
  • leide ich erwiesenermaßen mehr als andere unter Lampenfieber,
  • waren das Stück und meine Rolle nicht gerade einfach,
  • habe ich es trotz Erkältung hinbekommen,
  • habe ich es trotz der ständigen Schmerzen und der schweren Depression durchgezogen.

- Es dürfte niemanden wundern, dass ich Letzteres hier auch in einem öffentlichen Eintrag erwähne, ich gehe damit ja offen um und finde daran nichts Peinliches. Angesichts dieser Tatsache liegt eine gewisse Ironie darin, dass ich als einer der Knaben in dem Stück gleich zwei Leute vorm Selbstmord gerettet habe. :lol:
Ich möchte noch erwähnen, dass alles ärztlich abgesegnet war und man mich in der Tagesklinik sogar ständig – gedrängt will ich nicht sagen, aber doch sehr ermutigt hat, dies zu machen. Aufwärtsgerichtete Depressionsspirale und so.
Da man fast jeden Morgen und Abend dort berichtet hat, was man den Rest des Tages so veranstaltet hat und wie es einem dabei ging, bekamen natürlich alle alles hautnah mit. Ich fand’s total süß, dass mir vor dem Konzert so viele Leute viel Glück gewünscht haben und mich danach etliche Mitpatienten und Therapeuten bis hin zum Klinikleiter alle fragten, wie es gelaufen ist. :kuschel:
Freude hat es mir dabei leider nicht gemacht, jedenfalls die meiste Zeit nicht – Depression halt. :zerknirscht: Während der Proben hatte ich Spass, und unmittelbar danach war ich auch angesichts der Erfolgserlebnisse froh, es gemacht zu haben, und stolz auf mich, aber die meiste Zeit war es mir zu viel und hat mich wie alles in dieser Zeit unglaublich viel Kraft gekostet.

Das Konzert wurde per Video aufgezeichnet, und ich wollte natürlich auch eine DVD davon haben. Nachdem ich mich endlich durchringen konnte, sie anzuschauen, war ich positiv überrascht. Ich bin gar nicht so schrecklich gewesen, wie ich gedacht hatte. Eigentlich war es sogar ganz gut. :] Offenbar kann ich meiner Selbstwahrnehmung nicht sonderlich trauen.

Downloads

Demnächst gibt es die komplette Videoaufnahme von dem Stück hier zum Download.
Ich werde tatsächlich einige Stück auf die Menschheit loslassen ]:-] – zumindest auf die registrierten Leser meines Blogs – aber erst nach einigen grundsätzlichen Worten zu diesem Hobby und was es für mich bedeutet sowie seine Freuden und Leiden.

Deshalb bleibt es für heute ausnahmsweise bei diesem für meine Verhältnisse doch recht kurzen Bericht. ;)

Fotos

Paminas Selbstmord-Szene
Papagenos Selbstmord-Szene

Weitere Konzerte

Mittlerweile unterrichten meine beiden Lehrer nur noch privat – darüber werde ich dann auch später berichten – aber die halbjährlichen größeren Schülerkonzerte unter ihrer Leitung wird es weiterhin geben.

Eigentlich hatte ich auch dieses Jahr vor mitzumachen beim Weihnachtskonzert 2008 und bereits an 2 Proben teilgenommen, als ich diese Woche meinen Mit-Sängern und Lehrer letzte Woche beichten musste, dass ich zu 99% nicht teilnehmen kann. Das Konzert ist am 11.12.2008, und zu dieser Zeit werde ich höchstwahrscheinlich wegen meines chronischen Schmerzproblems längere Zeit in einer Klinik nördlich von Hamburg weilen.

Das frustriert mich leider ganz gewaltig… :zweifel:
Nicht, dass ich dieses Jahr psychisch oder physisch in viel besserer Form wäre. Oder dass angesichts des vorjährigen Erfolgserlebnisses auch nur ein Quentchen Lampenfieber verflogen wäre. Aber das erste wird wohl selten – oder gar nie mehr :( – der Fall sein, und damit das zweite irgendwann eintritt, muss man dran bleiben, wie ich gemerkt habe. Wenn man sich danach wieder ins stille Kämmerlein zurückzieht, ist schnell alles wieder beim Alten. Deshalb war für mich trotz des Stresses klar, dass ich wieder mitmachen muss, alles andere wäre ein Rückschritt. Und die kann ich auf diesem Gebiet nun gar nicht tolerieren, insbesondere ich schon nichts gegen die gesundheitlichen Rückschläge tun kann. Jetzt muss ich mich wegen ebenjener auch hier zumindest vorübergehend geschlagen geben… :heul:

Es sollte aus Mozarts “Don Giovanni” das Sextet aus dem 2. Akt geben. (Hier eine neue und moderne Inszenierung und hier eine klassische Inszenierung in den 50ern.) Ich sollte Donna Anna singen, das wäre dann die Dame in dem roten Kleid im ersten Video, was mir ziemlich schmeichelte, denn die Rolle hat ein anständiges und schönes Solo und ist auch sonst ziemlich anspruchsvoll.
Das meiste ist nun gestrichen worden und wird beim nächsten Konzert, vermutlich Sommer 2009 aufgeführt. Ich hoffe, dass es mir dann besser geht und mir und den anderen Teilnehmern nicht wieder etwas dazwischen kommt…

IdId 2575 04.11.2008 23:46 Uhr 1388 Wörter Kategorie(n) Muse, Vertraulichkeit: 0 Tags , , , Kommentare nicht (mehr) erlaubt Trackbacks / Pings nicht erlaubt drucken Link per Mail versenden Link per Twitter veröffentlichen

8 Reaktionen

Ich beneide dich :blumen: … wenn ich anfange zu singen machen sich die Leute lieber aus dem Staub :duckundrenn: ich hab einfach nicht die Stimme dafür ;) Ich drücke dir die Daumen das du 2009 auf der Bühne stehen kannst. Ich würde es auf jedenfall sehr gerne sehen :)

Kommentar 1 05.11.2008 11:18 Uhr

Die DVD-Aufnahme des Auftritts würde ich gerne sehen, wenn ich Dir zu Dir komme.
Du kannst auf jeden Fall stolz auf diesen Auftritt sein, um so mehr, wenn man die schlechten Rahmenbedingungen (Depression) betrachtet.
Es ist sehr schade, dass Du dieses Jahr das Konzert absagen musstest, weil Dein alljährlicher =) Klinikaufenthalt dazwischen kommt. Vorteil ist, das dass Sextet nächstes Jahr richtig gesungen und Dir nicht Deine schönen Koloraturen gekürzt werden.
Ich beneide Dich auch um Deine schöne Stimme. Das Chorsingen hat mir in der Rehaklinik damals großen Spaß gemacht. Opernsängerin stand mal ganz oben auf meiner Traumberuf-Liste. Natürlich hätte es ein dramatischer Sopran sein müssen für Wagners Isolden und Brünhilden :]

Kommentar 2 05.11.2008 15:07 Uhr

Du hast ja keine Ahnung, wie sehr mich so was beeindruckt! Ich würde mich sehr freuen, den Auftritt irgendwann mal in seiner Gänze bewundern zu dürfen.

Der letzte Teil ist natürlich weniger aufbauend. Ich drücke Dir auf jeden Fall die Daumen, daß der Aufenthalt wenigstens was bringt!

Kommentar 3 05.11.2008 16:47 Uhr

Liane

Liane

Ich freue mich auch schon darauf, Deine Singstimme endlich mal zu hören. =) Und ebenfalls auf das versprochene Video vom Mozart-Auftritt. DIe Zauberflöte war früher immer meine Lieblingsoper.
Bis morgen
:kuschel:

Liane

Kommentar 4 09.11.2008 18:34 Uhr

@Geli: Was beeindruckt Dich denn genau – die Tatsache, dass man den Mut für einen Auftritt zusammenkratzen konnte oder eher das Können (was ja noch zu beweisen wäre)? ;)
Ich bin wild entschlossen, Euch das zuzumuten, hängt eben nur von dem längeren Vorwort ab, was ich für notwendig halte. Ob ich das noch vor dem Krankenhausaufenthalt schaffe, ist fraglich.
Ich hoffe auch, dass es gesundheitlich zur Abwechslung mal wieder bergauf geht. :zerknirscht: Aber zum Thema Klinik und Krankheit gibt es demnächst etwas Ausführliches, der lange Eintrag ist fast fertig.

@Tharanis: Solche Wagner-Rollen könnte ich leider nicht singen, ich bin nur ein lyrischer Sopran. Aber ich bin ja sowieso eher der Mozart-Typ. :D

@Liane: Ich finde gerade das aufgeführte Stück aus der Zauberflöte wunderschön. :verliebt: Irgendwann ist auch noch “Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen” drin. So in drei, vier, fünf Jahren, wenn ich’s locker bis zum f”’ schaffe. :durchgeknallt: :]

Kommentar 5 14.11.2008 23:06 Uhr

Ganz eindeutig beides :D

Kommentar 6 17.11.2008 00:06 Uhr

hallo jessica, da dachte ich du hast hier eine gesangsprobe mit drin….. schluchz…. will das doch endlich mal hören, ich find sowas super, würd auch gern singen können…Also alle achtung, dass du das durchgezogen hast…

Kommentar 7 28.11.2008 18:23 Uhr

Bea

zwar habe ich berufsbedingt nicht so die Hemmungen vor anderen Leuten zu singen. Aber so “richtig” und anspruchsvoll und auch noch vor Publikum, das extra deswegen kommt – puh. DER Mut würde mir aber definitiv auch bei einer Milliarde Gesangsstunden fehlen.
Alle Achtung =)

Kommentar 8 14.12.2008 17:27 Uhr