Jahrelang hatte ich Fotos meiner Werke für meine Website (nunmehr Teil dieses Blogs) immer nur im heimischen Wohnzimmer knipsen lassen, und ich war mittlerweile das langweilige Szenario leid, das so gar nicht dazu einlud, sich in die passende Pose zu werfen.
Zudem war ich Anfang letzten Jahres umgezogen, nun gab es im Gegensatz zu vorher keine freie Ecke mehr in der Wohnung, die zumindest als neutraler Hintergrund dienen konnte. Bücherregale, die Fernseh- oder Computerecke oder gar Küche oder Schlafstätte eignen sich nun überhaupt nicht als Kulisse.
- Ja, auch hier haben die LiveJournal-Snarking-Communities ihre Spuren hinterlassen.
Ich erinnere mich nur zu gut an die Fotos vermeintlich harter Kerle, die sich in Gangster-Pose und finstrem Blick mit nacktem Oberkörper und “Hardcore”-Tattoo vor Omis Blümchentapete haben ablichten lassen und damit dann in der Community für schlechte Tattoos landeten.
Oder die Fotos in der Community für schlechtes Makeup, die Möchtegern-Szenegirls und –Vampirbräute, die diese meist selbst geknipst hatten, aus wenig schmeichelhaften Blickwinkeln im Bad vor Fliesen und Klo aus einer Armlänge Entfernung zeigten – was zumindest die albernen Gesichtsausdrücke erklären würde, die wohl irgendwie lasziv oder witzig wirken sollen.
Wie auch immer, diesmal wollte ich es anders machen, zumal ich vor vorneherein plante, die Bilder in einem neuen Layout für dieses Blog zu verwenden. – Im aktuellen ist das Drumherum zwar komplett weggephotoshopt, aber erstens weiss man ja vorher nie genau, wie das Endergebnis aussehen wird, und zweitens habe ich noch Ideen und Bildmaterial auf Lager für Fälle, in denen es nicht so sein muss.
Am 04.04.2008 waren Ben, Kerstin und ich im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserwerth in der Überresten der Kaiserpfalz unterwegs, um endlich ein paar anständige Fotos von meinen letzten Todesser-Kostümen zu machen. – Das heisst, eigentlich ist es nur ein Kostüm mit verschiedenen Masken und Kopfbedeckungen.
Die Kaiserpfalz stammt aus dem 12.Jahrhundert und besteht nur noch aus ein paar Resten, von der nur wenige Teile zugänglich, d.h. nicht abgesperrt und mit Treppen zur Besichtigung ausgestattet sind. Gefunden hatte ich sie über eine Webseite über Burgen in NRW, die Micha mir empfohlen hatte, in der alle aufgelistet sind. Sie war eine der wenigen und in Düsseldorf leider die einzige mit Foto. Da ich keine Lust hatte, alle Burgen und Burgruinen in meiner Stadt oder der näheren Umgebung mit öffentlichen Verkehrsmitteln abzuklappen und auf ihre Tauglichkeit für diesen Zweck zu überprüfen, lag die Wahl nahe.
Leider nur täuschte das Foto, das irgendwie wirkt, als läge die Ruine in einer ruhigen, menschenleeren, grünen Ecke in Nähe des Rheinufers. – Grün ja, Rheinufer auch, aber ruhig und menschenleer keineswegs. Das Foto muss frühmorgens oder kurz nach einem Unwetter aufgenommen worden sein.
Als ich uns drei mit einer Wegbeschreibung von Google Maps an einem Sonntag Nachmittag zum ersten Mal dorthin lotste, dachte ich schon beim Anblick des regen Auto- und Füßgänger-Aufkommens und des vollen Parkplatzes vor der Burg, da sei gerade irgendeine Veranstaltung.
Das Gebäude gegenüber der Burgallee – nicht mehr als ein Fußgängerpfad – ist ein Gymnasium, das darunter ein Café, die Altstadt liegt gleich daneben und mit der Burg das Ziel von Touristenbussen, während das Rheinufer dahinter von zahlreichen Spaziergängern, Joggern und Hunden plus ihren Besitzern genutzt wird.
Zur Veranschaulichung siehe hier: Burgruine Kaiserpfalz in Düsseldorf-Kaiserwerth. Offensichtlich wurden die Bilder irgendwann im Herbst oder Winter bei einem Rhein-Hochwasser aufgenommen, den matschbraunen Farben und den überfluteten Ufern nach zu urteilen.
Wir haben uns dann zwar noch die Location angesehen, mir war aber schon von vorneherein klar, dass es an diesem Tag nicht klappen würde. Zum einen war das Gelände derart überfüllt, dass man kein Foto hätte machen können, ohne dass irgendwer durchs Bild latscht oder am Rande irgendwo zu sehen ist, und zum anderen kann ich es schlicht auf den Tod nicht ausstehen, wenn mir jemand bei so etwas zu schaut. Ich bin froh, wenn sich die Zahl der teilnehmenden Personen auf ein Minimum und die Zahl der Zuschauer auf ziemlich genau Null beschränkt, sonst bin ich gehemmt, zumal in solchen Fällen fast immer mit dummen Bemerkungen zu rechnen ist.
Ich will die Fotos ja für mich bzw. meine Website. Letztere ist zwar auch öffentlich, aber meist kommen die Besucher ja doch durch entsprechende Suchbegriffe hierher bzw. kennen mich, das heisst, sie wissen, was sie erwartet und sind der Sache in der Regel zugeneigt – und wenn nicht, auch egal, negative Reaktionen bekomme ich nicht mit, bisher hat sich zum Glück niemand die Mühe gemacht in solchen Fällen sein Mißfallen per Kommentar kund zu tun.
Dass das Kostüm das Gesicht verdeckt, ändert nichts daran.
Man kann das jetzt feige nennen, aber selbst mein extrovertierter und diesbezüglich überhaupt nicht gehemmter Bruder, der wohl an noch mehr Bühnenshows als ich teilgenommen, immerhin eine Stuntman-Ausbildung und schon mehrere Sachen für das TV gemacht hat, musste zugeben, dass es ihm unter diesen Umständen ähnlich ergangen wäre.
Also beließen wir es für den Tag dabei und kamen Ende der folgenden Woche wieder zu einem Zeitpunkt, an dem wir hofften, möglichst ungestört zu sein, kurz nach 10 Uhr nach Öffnung der Anlage an einem Freitag.
Benny und Kerstin brachten diesmal Dexter mit. (Nein, der Hund hat keinerlei charakterliche Gemeinsamkeiten mit dem gleichnamigen Serienkiller, ganz im Gegenteil.
) Während Kerstin mich zwei Stunden lang in verschiedenen Posen, an unterschiedlichen Stellen der Burg aus mehreren Perspektiven in wechselnden Outfits und mit verschiedenen Accessoires ablichtete, bis ihre Hände gefroren und ich total k.o. war, spielte Benny die meiste Zeit mit dem Hund, auch davon gibt es ein paar Fotos. Irgendwie wirken Todesser auch nicht mehr ganz so bedrohlich, wenn sie Hundespielzeug in der Hand halten und in Babysprache auf den erwartungsvoll dreinblickenden Vierbeiner einreden.
Auch wenn Dank der frühen Uhrzeit an diesem Arbeitstag und des kalten, nieseligen Wetters tatsächlich kaum Leute unterwegs waren, kamen ab und zu einzelne Passanten – in der Regel paarweise – vorbei. Anfänglich war ich deswegen wegen oben beschriebener Problematik genervt, aber irgendwann störte es mich nicht mehr, wenn sie stehenblieben und zuschauten. Zudem waren fast alle Reaktionen positiv. Nur ein Trio von pubertierenden Teenagern lachte uns beim Vorbeiziehen aus. Ein junges Paar guckte überrascht, als ich mit Spitzhut und Totenkopfmaske um die Ecke bog, er flehte gespielt: Tut uns nichts!
Ein Paar mittleren Alters war ganz entzückt vom Hund und wollte ihn nochmal wie ein Känguruh hopsend über den Platz wetzen sehen, sie fragten am Schluss, was wir hier machen, was ich darstelle und bei der Erwähnung von “Harry Potter” meinten sie, das kennen sie natürlich. Zwei ältere Damen schauten uns lange zu, rätselten ebenfalls, fragten dann auch, was das zu bedeuten habe. Sie meinten, es sähe toll aus und wollten noch wissen, unter welcher Webadresse man nachher Bilder anschauen könne.
Drei Mädchen alberten anfangs herum, konnten sich dann aber nicht mehr von Dexter losreissen, spielten ewig lange mit ihm und hatten am Ende Spass daran, sich mit verschiedenen meiner Utensilien und mir ablichten zu lassen.
Hier sind die Fotos. Ich finde, sie sind wirklich gut geworden. Mein Dank an die Fotographin!
Darüber hinaus sind hier noch Bilder vom Drumherum:
Und hier diejenigen, die nicht auf die Kostüm-Seite kamen, weil sie nicht unbedingt etwas mit “Harry Potter” zu tun haben:
Am 30.08.2008 war ich dann mit Liane anläßlich meines Besuches bei ihr vom 29. bis 31.08.2008 in ihrem Wohnort im Wald nebenan, um uns gegenseitig in Kostümen abzulichten: Sie als Kaylee aus “Firefly” und ich – wer hätte das geahnt
– in dem Kleid, was ich ursprünglich als mein erstes Death Eater-Outfit geplant hatte, welches sich aber als recht kampfuntauglich herausstellte und auch für Grufties, Vampire oder Hexen jeder Gesinnung geeignet ist.
Wir zogen uns bei ihren Eltern um und gingen in vollem Ornat in den Wald nebenan. Es war übrigens recht warm und ich latschte einmal gründlich in Brennnesseln
, was Erinnerungen an meine lange Zeit als Pfadfinder wachrief, und musste eine Zecke von meinem Arm verscheuchen, die gerade nach einem geeigneten Platz zum Zubeissen suchte.
Hier sind die Fotos. Auch diese Bilder finde ich sehr gelungen.
Und ich komme nicht umhin zu erwähnen, dass mir das Kleid meiner Meinung nach recht gut steht.
Man beachte auch das Heiligenschein-mäßige Leuchten
auf einigen Bildern, das so gar nicht zum dargestellten Charakter passt.
Super Bilder, finde den Hintergrund auch sehr passend
– und ich stimme dir zu, dass du in dem Samtkleid echt toll aussiehst. Absolut schick, das würde selbst mir gefallen und ich bin gar nicht so der Typ Frau der gerne Kleider oder Röcke trägt
. Besonders gut gefällt mir das Bild wo du die Kinder “bedrohst” – sehr gut gelungen
. Dexter ist auch ein ganz Süßer
– ich mag die Serie übrigens gerne *g*.
Hallo Jessica,
unter http://www.burgentour.info findest Du weitere Burgen und Schlösser in der Umgebung.
Das Todesser Köstüm gefällt mir sehr gut.
LG
Carsten-Dirk
Deatheater als Kinderschreck, so muss es sein!
Happy Halloween
Kessi
endlich schaffe ich es nochmal hier zu lesen….
Also, muß schon sagen, mit dem Hund hab selbst ICH nicht mehr so große Angst vor deinem Kostüm…
Die Location war echt cool, noch cooler waren die verbotenen Ecken, aber da haben wir uns dann doch nicht rein getraut… schade eigentlich…
War schon witzig, links von der Burg war der Rhein und rechts ne Schule und mitten drin die bööööse Jessi…
Alles liebe, Kessi
Liane
Hallo Jessica, ja, unsere Waldtour im Kostüm war echt ein Erlebnis, aber die Bilder waren es wert, oder? Und die Burgfotos finde ich auch sehr schön – tolles Ambiente für einen Death Eater
@Liane: Wenn unsere neuen Death Eater-Gewänder mitsamt Maske fertig sind, können wir ja nochmal zur Burg fahren und ein Fotoshooting veranstalten.
@Tina: Danke für das Kompliment.
Ich trage sehr gerne Röcke und Kleider – außer bei allzu großer Hitze oder Kälte – aber ich muss aus diversen noch zu erläuternden Gründen noch daran arbeiten, das auch mehr im Alltag zu tun.
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