Anläßlich des Urlaubs am Timmendorfer Strand habe ich im Web recherchiert nach Informationen über die Tierchen, die wir gesehen haben und mit denen wir teilweise auf Tuchfühlung gegangen sind.
Ein paar klärende und faszinierende Fakten, Verwirrendes, Beängstigendes und haarsträubenden Blödsinn über eine der seltsamsten Lebensformen der irdischen Fauna, den Quallen, anhand von einigen heimischen und besonders spektakulären Arten.
Wer sich jetzt vielleicht noch fragt, warum ich so viel Aufwand betreibe um die Identifizierung und Auswirkungen von irgendwelchem im Ozean schwimmenden Glibber-Zeug, wird mir noch sehr dankbar sein, wenn er ihnen beim nächsten Badeurlaub begegnet
und die Gefahr erkennt oder auch Gegenmaßnahmen einleiten kann, den die hängen von der Spezies ab.
Und habe ich schon erwähnt, dass ich früher einmal Meeresbiologie studieren wollte und Bio-GK mit 15 Punkten mein bestes Abi-Fach war?
Ich empfehle wärmstens die Videos und vor allem die umfangreichen Tiefsee-Bildergalerien aus der Linkliste am Schluss: Fantastische Bilder von fremdartigen Geschöpfen, bei denen man manchmal schwer glauben kann, dass sie vom gleichen Planeten stammen.
Die übernommenden Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und stammen aus seriösen Quellen wie Uni-Webseiten, Taucher-Foren und -Fachliteratur und von Biologen, sollten also korrekt sein – allerdings gibt es auch da Abweichungen, und wenn es nur die Statistiken sind.

Die in der Ostsee vorherrschende und sehr zahlreich vorkommende Spezies ist Aurelia aurita, die Ohrenqualle, im englischen Sprachraum genannt Moon Jellyfish (Mondqualle).
Die Ohrenquallen sind im Atlantischen Ozean weit verbreitet. Sie kommen an den amerikanischen und auch an den deutschen Küsten in der Nord- und Ostsee vor, sie tritt vermehrt im Sommer bis Spätherbst auf.. Die Fortpflanzung findet vermehrt in der Ostsee bis in die südliche Boddensee statt.
Die Ohrenqualle ist zu erkennen an vier orange-, rot- oder violettfarbenen, ohrenförmigen Keimdrüsen, die mittig im flach gewölbten, durchsichtig weiß bis gelblichen, gallertartigen Schirm liegen, der 20 bis zu 40 Zentimeter Durchmesser hat. Wie alle Quallen besteht sie vorwiegend aus Wasser, ca. 98%. Und wie alle Quallen durchläuft sie eine komplexe Entwicklung von Larve über Polype zur Meduse mit der beschriebenen Erscheinungsform. Die jungen, ab April zu beobachtenden Quallen weisen nur eine Größe von etwa 1 cm auf. Die Alttiere sterben im November/Dezember ab.
Ohrenquallen kommen in Buchten der Ostsee mitunter häufig vor, sind sie für den Menschen jedoch ungefährlich.
Die Quallen mit rötlichen Ringen bzw. Geschlechtsorganen sind Weibchen, die mit den weissen Ringen Männchen, wobei letztere nach eigenen Beobachtung weitaus häufiger vorkommen.
Die Ohrenqualle gehört wie die Feuerqualle zu den Fahnenquallen, die mit etwa fünfzig Arten pelagisch in den oberen Schichten der Weltmeere leben und eine Unterart der Schirm- oder Scheibenquallen ist.
Die DLRG hat sich bei mir in ihrer Beschreibung der heimischen Quallen dicke Sympathiepunkte mit diesen Worten verdient:
Ohrenqualle (Aurelia aurita) – friedliebend
[...] Bei aller Andersartigkeit dieser empfindlichen Organismen sollte man sie aber nicht unnötig quälen und z. B. als Wurfgeschoss missbrauchen, denn auch Aurelia verfügt über Sinneskörper, wie einer Riechgrube und Becheraugen mit Sehzellen. [...]
Zum Glück ist die Ohrenqualle für den Menschen völlig harmlos, was ich nach meinem Bad in einem Schwarm von den Tierchen nur bestätigen kann.
Sie besitzen zwar ein Nesselgift, aber es kann nicht die dicke menschliche Haut durchdringen.
Sollte das doch passieren – bei besonders empfindlichen Menschen oder weil jemand so dumm war, sich eine Ohrenqualle auf’s Gesicht oder andere dünn- bzw. schleimhäutige Körperteile zu setzen
– soll man allerdings rund 2 Tage Spass mit der Vernesselung haben. Gegenmaßnahmen, falls denn tatsächlich notwendig, siehe Feuerqualle.
In 99,99% der Fälle gilt jedoch: Wenn’s brennt, war’s keine Ohrenqualle. Vielleicht hat sich im Gewusel noch jemand anderes versteckt, wie eine Feuerqualle oder Leuchtqualle. Letztere wird mit der Ohrenqualle schon mal gerne verwechselt, wahrscheinlich weil der Schirm ähnlich geformt ist und beide relativ kurze Fahnen haben, aber eigentlich kann man sie gut unterscheiden.

Die glücklicherweise seltenen, meist tot am Strand liegenden Tiere, die mit ein paar bräunlichen Tupfern und erkennbaren Nesselfäden aufwarteten, waren hingegen – tataa! – in der Tat Exemplare der sagenumwobenen Spezies Cyanea cappilata, die Gelbe Haarqualle, im englischen Sprachraum genannt Lione Mane’s Jellyfish (Löwenmänenqualle), hierzulande am besten bekannt unter dem Namen Feuerqualle.
Der letzte Name ist, wie ich finde, ziemlich irreführend. Er bezieht sich wohl eher auf das Gefühl, dass man verspürt, wenn man ihr zu nahe kommt, nicht auf ihr Aussehen. Wer meint, sie käme in alarmierendem Rot daher, um potentielle Fressfeinde und andere unerwünschte Individuen zu vergraulen, irrt. Am Strand sieht sie aus wie ein transparenter Wackelpudding mit braun-rötlichen Tupfern, im Wasser wie ein pulsierender, fransiger Stern in Blassgelb mit einem orangenem Kern. Gelbe Haarqualle passt da also wesentlich besser.
Leider kann man sie beim Schwimmen wie die meisten Quallen & Co kaum sehen – wie gesagt, sie ist nicht sehr auffällig. Wenn man sie sieht, ist es in der Regel schon zu spät, denn man sieht nur den Schirm. Der ist ungefährlich und kann angefasst werden – aber bitte nur von oben. Darunter sitzen die Nesselfäden mit dem schmerzenden Gift, die selbst bei durchschnittlich großen Feuerquallen 3 bis 6m lang werden.
Aufpassen hilft also nur sehr bedingt. Bei vielen Feuerquallen im Wasser sollte man sich das Schwimmen also besser verkneifen oder aber Schutzkleidung (Taucheranzug, “stinger suit”, angeblich auch Nylons) anziehen. Bei Gesicht und ggf. Händen hilft freilich auch das nichts.
- Schock schwere Not!
Da sind wir ja nochmal glimpflich davongekommen. Die wenigen Exemplare, die wir gesehen haben, waren entweder weit weg und nur vom Steg aus zu bewundern oder lagen tot im Sand.
Das hat seinen Grund: Die Vermehrung der Feuerquallen ist bei dem geringen Salzgehalt der Ostsee nicht möglich, sie kommen bei bestimmten Wetterlagen zusammen mit salzreichem Wasser aus der Nordsee in die westliche Ostsee. Die Feuerqualle mag es lieber kühl, in tropischen Gewässern findet man sie nicht.
Sie ist die größte Qualle weltweit: Es wurden schon Exemplare an den Strand gespült, deren Scheibendurchmesser über 2,4 m und Tentakellänge über 30m betrug. Die größten Exemplare kommen in arktischen Gewässern vor.
Es gibt sie übrigens auch in blau, genannt Cyanea lamarckii. So einer bin ich auch schon mal begegnet am Strand von Korsika, zum Glück aber nur auf Distanz.
Was das Feuerquallen-Gift überhaupt mit einem arglosen Schwimmer anstellt, ist ebenfalls nicht eindeutig zu beantworten. Die meisten Quellen sprechen von folgenden Symptomen:
Die Nesselkapseln (Nematocysten) der Feuerqualle und anderer Nesseltiere, die bei Berührung aufplatzen, geben Eiweißgifte ab, die hämolytische und nekrotisierende Eigenschaften haben, d.h. sie führen zum Absterben von Zellen und Gewebe. Die Struktur der Gifte und ihre Wirkungsweise sind jedoch nicht im Detail bekannt. In der Regel gibt es kein Gegengift.
Todesfälle durch Feuerquallen gehören ins Reich der Märchen, ich habe jedenfalls keinen belegten Fall finden können. (Auch nicht im seriösen Ärzteblatt über Vergiftungen, die reden im Zusammenhang mit Nord- und Ostsee nur von Petermännchen.)
Ich möchte es ganz sicher nicht am eigenen Leib testen, die oben geschilderten Symptome sind wahrlich schon unangenehm genug, aber unter den für Menschen giftigen Quallen ist sie wohl noch eines der harmlosesten Exemplare. Mag sein, dass schon einmal jemand nach einem Feuerquallen-Kontakt starb, aber das lag dann vermutlich eher daran, dass der derjenige vor Schreck oder Schmerz ertrunken oder an einem allergischen Schock gestorben ist. – Letzteres kann einem bekanntlich auch mit Wespen oder Bienen im heimischen Garten passieren und ersteres bestätigt mich darin, dass man im Meer besser nur dort schwimmen sollte, wo man noch stehen kann.
Ich denke, die DLRG sollte wissen, wovon sie redet:
Nessel- / Feuerqualle (Cyanea capillata) – auch friedliebend, aber mit Nesselgift bewaffnet
[...] Die Tentakel sind mit Nesselkapseln ausgerüstet, die bei Berührung ihr Proteingift in die Haut injizieren. Bei empfindlichen Menschen kann dieses zu Hautreizungen, Kreislaufbeschwerden oder anderen allergischen Reaktionen führen. Im Normalfall treten jedoch nur leichte Hautreizungen auf, die denen einer Brennnesselverbrennung ähnlich sind.
Nun, mit Brennnesseln habe ich als Ex-Pfadfinder viele Erfahrungen gemacht. Auch wenn ich hoffe, niemals Feuerquallen-Vernesselungs-Erfahrungsberichte aus erster Hand liefern zu können, beruhigt mich das ungemein.
Erstversorgung bei Feuerquallen-Vernesselungen sowie anderer nesselnden Meerestiere (außer Portugiesischen Galeeren und Würfelquallen):
Bei manchen Quallen-Arten deaktiviert eine Spülung mit (maximal 5%iger) Essiglösung die Nesselzellen. Bei der Feuerqualle darf dies jedoch nicht gemacht werden, deren Nesselzellen platzen bei Kontakt mit Essig-Lösung und den anderen genannten Flüssigkeiten erst recht auf. Stattdessen kann man Backpulver als Paste auftragen, das man etwas aushärten lässt und dann vorsichtig mit einer Plastikkarte o.ä. abkratzt, die DLRG verwendet in ähnlicher Weise auch Rasierschaum. Das alles natürlich überaus vorsichtig, damit die Haut des Betroffenen nicht verletzt wird, keine weiteren Nesselzellen platzen und man selbst auch keine abbekommt.
(Aber wie gesagt, wenn man schon so viele Feuerquallen sieht, dass man so etwas mit sich herumträgt, sollte man erst gar nicht ins Wasser gehen.)

Die Portugiesische Galeere, im englischen Sprachraum genannt Portuguese Man o’ War oder Bluebottle (Blaue Flasche), ist keine Qualle im klassischen Sinn, sondern eine Siphonophore, eine sogenannte Staatsqualle. Es ist eine Kolonie von Polypen, die alleine nicht lebensfähig wären, sie haben verschiedene Aufgaben: Geschlechtspolypen, Nesselpolypen usw.
Die bläulich schimmernde sackförmige Gasblase ist mit Kohlendioxid (CO2) und Stickstoff (N2) gefüllt und wird von einem einzigen Polypen gebildet. Die Bluebottle schwimmt durch den Luftsack an der Meeresoberfläche, ist aber trotzdem oft nur schlecht oder zu spät zu entdecken. Sie ist eine typische Art des sogenannten Pleuston, Organismen, die von Wind und Strömung getrieben werden und ihre Richtung nicht selbst bestimmen können.
Physalia physalis hat einen 10 bis 30 cm großen Luftsack, bei Physalia utriculus misst er 5 bis 8 cm. Die zahlreichen blauen, weißen oder rotvioletten Tentakeln sind durchschnittlich 15 m lang.
Die Rekordlänge der Bluebottle-Nesselfäden soll 40 bis 60 m betragen, je nach Quelle. Zum Vergleich: Das größte lebende (Säuge-)Tier, der Blauwal, erreicht gerade mal schlappe 25 m Länge. Damit wäre sie nicht nur die längste Qualle, sondern sogar das längste Lebewesen überhaupt auf diesem Planeten.
Die Portugiesische Galeere findet sich in erster Linie im Pazifischen Ozean, zum Beispiel vor Nauru und Australien, aber auch vor den Kanarischen Inseln und vor Portugal. Sie ist zudem in der Karibik verbreitet. 1975 waren große Schwärme auch vor der niederländischen Küste anzutreffen. Bei unserem Urlaub auf La Gomera haben wir sie bei den Bootsausflügen zu den Delphinen auch vor der Insel schwimmen sehen.
Diplom-Biologe Uli Erfurth schildert eindrucksvoll die Folgen einer Bluebottle-Vernesselung und den Mechanismus:
Die zellulären Wunderwaffen, mit denen die zarten Tentakel der Portugiesischen Galeere größeres Zooplankton und selbst Fische erbeuten (Touristen gehören seit der Kreidezeit nicht mehr zum natürlichen Nahrungsspektrum von Staatsquallen), zeichnen fast alle Nesseltiere aus: Tausende von Mini-Sprengkapseln, jede nur 0,05 mm groß, für die ein Zellfortsatz an der Oberfläche als Zünder dient. Wird er ausgelöst, steigt der Druck in der Nesselzelle schlagartig auf 150 bar an, und der Deckel der Kapsel springt auf. Ein zusammengesetztes Stilett rast heraus, durchschlägt die Körperwand der Beute und klappt als Enterhaken aus. Sofort wird ein hohler Faden mit einem mörderischen Giftcocktail nachgeschleudert. Bis dahin vergehen nur drei Tausendstel Sekunden. Die Geschwindigkeit des Auswurfs wächst in der letzten Millisekunde von 0 auf über 1400 km/h an. Die Explosion der Nesselkapsel ist mit ihrer 40.000fachen Erdbeschleunigung der schnellste Vorgang, der jemals in der belebten Welt gemessen wurde!
Symptome bei Vernesselung durch Portugiesische Galeere (sowie Seewespe und Irunkadji):
Auch hier geben die Nesselkapseln (Nematocysten) bei Berührung Eiweißgifte ab, zu denen wenig bekannt ist und die hämolytische und nekrotisierende Eigenschaften haben, d.h.zum Absterben von Zellen und Gewebe führen, zudem setzen sie Histamin und gewebsverdauende Enzymen frei.
Viel zu Todesfällen durch Bluebottle habe ich nicht finden können, aber die Schilderungen und Fotos auf Gifte.de geben einem genug Gründe, sehr weit weg von diesem Tier zu bleiben. Durch die starken Schmerzen bei Kontakt allein besteht schon Todesgefahr durch Ertrinken, bei den Auswirkungen des Giftes auf den Lebensfunktionen ist hier auch unabhängig davon eine lebensbedrohliche Situation denkbar.
Maßnahmen bei Vernesselung durch Portugiesische Galeere (sowie Seewespe und Irunkadji):
Die Nesselzellen der Bluebottle dürfen nicht mit Essig-Lösung abgespült werden!! Die Kapseln platzen bei Kontakt mit Essig-Lösung und den anderen genannten Flüssigkeiten zu Abertausenden auf und verbrennen das Opfer noch mehr. Stattdessen Backpulver als Paste gerührt aufbringen, die Masse etwas aushärten lassen und dann vorsichtig mit einer Plastikkarte o.ä. abkratzt, in ähnlicher Weise kann auch Rasierschaum verwendet werden. Das alles natürlich überaus vorsichtig, damit die Haut des Betroffenen nicht verletzt wird, keine weiteren Nesselzellen platzen und man selbst auch keine abbekommt.
(Meine bescheidene und unqualifizierte Meinung: Da laut Recherche alle Maßnahmen zur Entfernung von Nesselzellen außer Seewasser-Spülungen umstrittene Maßnahmen sind, würde ich mich persönlich auf keine Experimente einlassen und nur das tun.)
Und wie jemand im schon genannten Taucherforums-Thread sagte:
Bei portugiesischen Galeeren hilft Dir kein Essig, Rasierschaum oder dämlicher Forenposter, sondern das nächste Krankenhaus.
Der deutsche Name Seewespe lässt diese Würfelqualle harmloser scheinen, als sie ist, ihr lateinischer Name Chironex fleckeri kommt der Wahrheit da schon näher, er bedeutet “mordende Hand”. Im englischen Sprachraum kennt man sie unter dem Namen sea wasp oder marine stinger. Hauptverbreitungsgebiet sind die Küstengebiete des tropischen und subtropischen Indopazifiks.
Mit ihren Fähigkeiten bricht sie gleich mehrere Rekorde, alle zusammen genommen lassen sie zu einer der größten Gefahren für Schwimmer überhaupt werden:
Ihr Hohlkörper ist durchschnittlich so groß wie menschlicher Kopf, aber sie ist auf Grund ihrer hohen Transparenz mit leicht bläulicher Färbung nur sehr schlecht oder zu spät zu sehen. Zusammen bedeuten diese Eigenschaften, dass es für Schwimmer im Wasser schwer bis unmöglich ist, sie rechtzeitig zu entdecken. Die Quallen folgen ihrer Beute bis ans Ufer, man kann sie oft in 30 Zentimeter tiefem Wasser genauso große Quallen jagen sehen. Die meisten Unfälle kommen daher im flachen Wasser vor. (Wobei man der Seewespe anerkennen muss, dass Menschen nicht auf ihrem Speiseplan stehen und sie ihre Schwimm- und Sehfähigkeiten auch dazu nutzt, Menschen aus dem Weg zu gehen.)
Ihre Nesselfäden können eine Gesamtlänge von gut 150 m erreichen, mit etwa 200 Millionen Nesselzellen die genug Gift enthalten, um ca. 60 bis 250 Menschen zu töten. (Je nach Quelle, ich nehme an, die Größe der Qualle und der Menschen spielt dabei eine erhebliche Rolle.
) Bei fast einem Drittel der tödlichen Unfälle in Australien soll der Tod innerhalb von 3 Minuten eingetreten sein. Die Statistiken über Todesfalle variieren stark zwischen 60 in den letzten Jahrzehnten bis zu 1000 pro Jahr, ihr sollen mehr Menschen zum Opfer fallen als dem weissen Hai.
Die Giftigkeit einer Lebensform wird daran gemessen, wieviele Menschen eine kleine Menge ihres Giftes töten kann und wie lange das Gift dafür braucht. Auch hier streiten sich die Experten, ob die Seewespe unter den Mehrzellern tatsächlich der Gewinner ist bei Konkurrenten wie der australischen Trichterspinne, dem Pfeilgiftfrosch, dem Stein- oder Kugelfisch. Aber der Meinung vieler Experten – z.B. Jamie Seymour, Quallenforscher an der James-Cook-Universität in Cairns – nach ist Chironex fleckeri das giftigste bekannte mehrzellige Lebewesen auf diesem Planeten.
Sie ist jedoch neben dem Steinfisch eines der zwei marinen Lebenwesen, gegen die laut Ärzteblatt ein Gegengift (Antivenin) existiert – allerdings ist es bei wenigen Minuten bis Eintritt des Todes gar nicht so leicht, es noch an den Strand oder bis zu einem Arzt zu schaffen.
Sehr aufmunternd ist auch dieses Zitat:
Not everyone who has been stung by a Sea Wasp has died, but those who didn’t may have wished they had. The sting from a box jelly is said to be excruciatingly painful.
Symptome und Maßnahmen wie bei der Bluebottle oben.
Zusätzlich ist hier das Spülen mit Essig-Lösung erlaubt, die die Nesselzellen deaktiviert. An vielen australischen Stränden wird die Flüssigkeit zu diesem Zweck auch bereitgehalten.
Die Irukandji-Qualle ist ebenfalls eine Würfelqualle und verbreitet vor den Küsten Australiens und Indopazific (Neuguinea, Hawai), jedoch hauptsächlich in tieferen Regionen, in Küstennähe glücklicherweise nur selten anzutreffen.
Sie wurde vor nicht allzu langer Zeit entdeckt. (Im Sommer 2005 rätselte man noch über eine unbekannte tödliche Spezies.) Grund dafür ist ihre geringe Größe, ihr Hohlkörper wird nur zwischen 1 und 3 cm groß. Sie besitzt nur 4 kontraktierbare Tentakeln mit Nesselzellen, die zwischen 5 cm bis 1 m lang werden.
In Gefährlich- und Giftigkeit steht sie der Seewespe nicht viel nach. Es sind einige, wenige Todesfälle dokumentiert, aber die Dunkelziffer ist vermutlich hoch. Ihre Größe, Transparenz und die verzögerte Wirkung ihres Giftes führt oft dazu, dass eine Vernesselung durch sie nicht als solche erkannt wird. Während die Seewespe erfolgreich mit Netzen von den Stränden ferngehalten werden kann, schlüpft die Irukandji mühelos hindurch.
Symptome:
Laut dem australischen Mediziner Peter Fenner zufolge werden die Symptome häufig mit einer Blinddarmentzündung, einem Herzinfarkt oder der Dekompressionskrankheit verwechselt, besonders wenn der Betroffene den Kontakt mit der Irukandji-Qualle gar nicht bemerkt hat.
Maßnahmen wie bei Bluebottle und Seewespe. Auch hier ist Essig-Lösung hilfreich.
Jamie Seymour hierzu aus eigener Erfahrung:
Auf einer Schmerzskala von 1 bis 10 rangiert ein Irukandji-Stich zwischen 15 und 20.
Auch wenn die größte je gefundene Qualle ein 2,4m-Exemplar einer Feuerqualle war, war dies wohl eher eine Ausnahme. Die Nomura-Quallen in den Gewässern zwischen Japan und China werden jedoch regelmäßig sehr groß und zahlreich und vermiesen Japans Fischern das Geschäft.
(Man beachte die Bilder in der Fotostrecke, und beim Googeln findet man noch größere, z.B. hier!) Bis zu 200 kg kann ein Exemplar wiegen.
Ich habe keine Informationen darüber gefunden, ob sie giftig ist oder nicht, aber man würde sie sicher nicht so sorglos netzeweise auf Fischkutter hieven oder gar verspeisen, wenn sie es wäre.
(Mal davon abgesehen, dass ich ja sowieso nichts esse, was Augen hat, auch keine Becheraugen, Augengruben oder 4mal 6er-Augenbündel: Laut Jamie Seymour sollen Quallen zäh und langweilig schmecken. Ist irgendwie mal wieder typisch Mensch: Hey, ein Organismus, der sich nicht wehrt und auch noch in Massen auftritt, lasst uns testen, ob man ihn (fr)essen kann!
)
Irgendwie finde ich sie extrem unästhethisch, die Qualle wirkt vor allem außerhalb des Wassers auf Grund von Färbung und Konsistenz irgendwie wie ein Sack voll Gedärm…
Zum Glück für uns alle sind Mutanten-Nomuras wie diese jedoch nur Fake.
Wie das eben so ist im Web: Man findet nicht nur korrekte Informationen, sondern auch eine Menge Unsinn und Halbwahrheiten.
Anfangen bei dem Horrormärchen von tödlichen Feuerquallen-Vernesselungen:
Most aren’t actually that dangerous, although the stings can be painful. Some of them, such as Cyanea capillata and Carukia barnesi, can be deadly and swimmers have been killed after being touched by their tentacles.
Wie oben schon zur Feuerqualle gesagt, ich habe keinen belegten Todesfall gefunden. Wenn der Schreiberling hier die Irukandji-Qualle (eine der gefährlichsten Meeresbewohner überhaupt) und Feuerquallen (eine der harmlosesten unter den nesselnden Exemplaren) in einem Satz erwähnt, hat er letztere vermutlich mit etwas anderem verwechselt. Oder vielleicht war es eine der berüchtigten Monster-Feuerquallen mit 2,4 m Durchmesser, in deren Gewusel von meterlangen Tentakeln sich ein armer Teufel von Schwimmer nackend verfangen hat…
Große Verwirrung herrscht darüber, was eigentlich eine “Feuerqualle” ist.
So meint die “Bild”:
Leuchtqualle oder Feuerqualle: Sie ist die gefährlichste Qualle in der Nord- und Ostsee. Nach der Berührung folgen ein brennender Schmerz, Hautrötungen und Schwellungen.
Haarqualle: Ihr Tentakelschweif ist fünf Meter lang. Die Berührung ihres Haarschopfs führt zu Juckreiz und Hautausschlägen.
Während die übrigen Informationen halbwegs korrekt sind – in jenem Artikel die Ausnahme – stimmt das mit der Feuerqualle eben nicht, die Haarqualle und nicht die Leuchtqualle wird auch Feuerqualle genannt.
Auch diese Qualle auf diesem Foto wird als Feuerqualle bezeichnet, obwohl sie keine ist – jedenfalls keine Gelbe Haarqualle. Um das noch einmal zu erwähnen: “Feuerqualle” ist nicht gleichzusetzen mit “rote Qualle”. Genausowenig mit “Qualle, die viel Aua macht”, wie diese Behauptung weissmachen will, oder auch diese:
Eine der giftigsten Tiere überhaupt ist die Seewespe oder Feuerqualle, eine kleine tropische Medusenart, die bei Menschen innerhalb einer Minute den Tod herbeiführen kann, wenn er nur leicht mit ihr in Berührung kommt.
No, no, no.
Wir sollten allen zur Verfügung stehenden Göttern danken, dass die Seewespe eben keine Feuerqualle ist, denn letztere kommt wie oben geschildert an unseren heimischen Küsten vor. Die Seewespe hingegen kann gerne bleiben, wo sie ist, nämlich vor der australischen Küste.
Total üblich scheint es zu sein, die Feuerqualle (Cyanea capillata) mit der harmloseren, leicht an der Zeichnung auf dem Schirm zu erkennenden
Kompassqualle (Chrysaora hysoscella / melanaster) zu verwechseln, und die völlig harmlose Ohrenqualle (Aurelia Aurita) mit der
Leuchtqualle (Pelagia noctiluca), die nicht nur deutlich anders aussieht, sondern der man auch besser nicht zu nahe kommen sollte, da sie ganz heftig nesselt und giftiger als die Feuerqualle ist.
Ahnliches vermute ich auch hinter dieser Äußerung in einem Taucherforums-Thread zu Maßnahmen gegen Vernesselungen, die den Ruf der armen Ohrenqualle zu Unrecht schädigt
:
Gegen die im Mittelmeer omnipräsente Aurelia aurita hilft Histaxin ausgezeichnet.
Begründung: ca. 284 facher Selbstversuch
Jemand anderes meint dazu treffenderweise im selben Thread:
Na, Aurelia aurita ist nicht nur im Mittelmeer omnipräsent….allerdings nesselt diese Qualle nicht – bzw. hat sie Nesselzellen, deren Stilette die menschliche Haut nicht zu durchdringen vermögen und zusätzlich noch ein äusserst schwaches Gift….
Wäre der erste Fall (oder 284 Fälle) von dem ich gehört habe, dass man nach Kontakt mit der Ohrenqualle irgendwas spürt bzw. braucht…die Kids hier am Strand bewerfen sich mit den Dingern…..
Einige Leute haben eigenwillige Theorien, woran man die Gefährlichkeit einer Qualle erkennt:
Theorie Nr. 1: Die Länge der Tentakeln. “Bild” meint:
Je länger die Tentakel (Nesselfäden), desto gefährlicher ist die Qualle. [...]
Wie gefährlich?
Portugiesische Galeere: Die Gefahr lauert in den bis zu 30 Meter langen Tentakeln. Die Berührung ist extrem schmerzhaft. Das Giftgemisch kann sogar zu Atemstillstand und Herzversagen führen. Diese Quallenart ist außerdem extrem zäh. Auch wenn sie am Strand liegt, kann das Gift noch wirksam sein.
Das ist gleich in dreifacher Hinsicht Murks:
Sehr cool auch Theorie Nr. 2 aus dem Quallen-Thread eines Sardinien-Forums zur Gefährlichkeit von Quallen: Die Färbung:
Es wurde doch gleich zu Anfang alles wichtige gesagt, aber es geht weiter und weiter. Man muss nur mal QUALLEN in Google oder sonstwo eingeben. gleich gibt es die Antworten. Die wirklich farblosen sind und bleiben ungefährlich. Je bunter desto gefährlicher.
Wie gut, dass das die schon erwähnten transparenten Seewespen und winzigen Irukandji-Quallen nicht wissen, sonst würden sie glatt noch ihren Platz auf dem Siegertreppchen der giftigsten Meeresbewohner räumen müssen!
Es ist eben leider nicht so, dass man von der Verpackung auf den Inhalt schließen kann, nicht jedes Tier warnt seine Umwelt mit grellen Farben vor seinen gefährlichen Giften oder anderen gesundheitsbeeinträchtigenden Eigenschaften. Schwarze Witzen, Pfeilgiftfrösche und Steinfische sehen auch recht unspektakkulär aus, sind es aber ganz sicher sicht.
Im gleichen Forum wurde auch von “Quallen-Bissen” und “fliegenden Quallen” geredet. – Ob diese armen Leute in einer strahlenverseuchten Gegend wohnen, wo den Mutanten-Quallen schon Flügel und Zähne gewachsen sind?
Hier ging es ja um mehrzellige und Meeresbewohner und speziell um Quallen, der Zusatz “mehrzellig” beim Titel “giftigstes Lebenwesen” bei Chironex fleckeri kommt jedoch nicht von ungefähr: Das Bakterium Clostridium botulinum bildet Botulinumtoxin (“Botox”), das stärkste bekannte Gift der Welt. Eine Menge an reinem Botox in der Größe dieses -> i-Punktes würde reichen um 1000 Menschen zu töten.
(Aber da ja bekanntliche die Dosis das Gift macht, dürfen Menschen wie ich vielleicht hoffen: Man forscht an Botulinumtoxin Therapie gegen chronische Schmerzen.)
Und bevor ich Euch mit diesen netten
Gedanken entlasse – vorzugsweise zu einem gemütlichen Bücher-Abend mit Frank Schätzings “Der Schwarm”, in dem viele der hier genannten netten Tierchen eine große Rolle spielen – noch ein passendes Zitat:
There are many creatures on this earth that are quite deadly to humans.
The deadliest of all, of course, being other humans.
Mohmoh
Faszinierend, einfach nur faszinierend diese Tierchen! Erschreckend und faszinierend. Ich hab beschlossen, für den nächsten Urlaub in meinem schönen, lebensfreundlichen Europa zu bleiben oder nur im hoteleigenen Pool meine Runden zu schwimmen. So Tierchen wie Quallen oder diese Krabbenspinnen schau ich mir lieber in einem Aquarium von jenseits der Glasscheibe an…
Danke für den phantastisch recherchierten Artikel! Hey, das ist ja schon eine halbe Doktorarbeit, die Du da geschrieben hast.
Tharanis
Ich wußte ja, dass Dich Quallen beeindruckt haben, aber dass Du Ihnen sogar eine wissenschaftliche Monographie widmest hat mich doch verblüfft. Es sind schon faszinierende Wesen diese Quallen, so zerbrechlich und doch teilweise gefährlich, einfach schaurig schön.
Eigentlich kein Wunder, dass Du diesen Geschöpfen so viel Zeit widmest, denn so eine Panikattacke verbindet
und Intellektualisierung ist eine gute Angst-Abwehr. Ich habe auch keine Angst vor Skeletten mehr, seit ich sie aus der Erde gegraben, gewaschen, sortiert, Alter und Geschlecht bestimmt habe. Die gute alte Anthropoplogie
Angie
Sehr interessant. Mal gut, daß jetzt erstmal Winter ist. Bis zum nächsten Sommer habe ich dann vielleicht genug davon vergessen, um mich wieder in einen Ozean zu trauen
Gerade kam auf Pro7 eine reisserische Sendung über “Wahre Monster” – und weder Physalia physalis noch Chironex fleckeri waren dabei!
Stattdessen nur wieder der böse Weisse Hai. Immerhin, die Schlussfolgerung war die gleiche wie bei mir: Auf Platz 1 landete der Mensch.
@Micha: Ja, schade dass Quallologie kein anerkanntes Studienfach ist.
@Tharanis: Ich durfte doch das schöne Wissen und die vielen Stunden Quallen-Recherche nicht ungenutzt vergammeln lassen, also kann man gleich einen Blog-Artikel daraus machen, dann haben vielleicht noch andere etwas davon.
Als Angstbewältigungsübung war das Ganze jedoch denkbar ungeeignet: Jetzt ist mir der Ozean noch suspekter als vorher in süßer Unwissenheit.
Vielleicht traue ich mich nochmal in die harmlose Ostsee mit ihren Ohrenquallen-Schwärmen und vereinzelten Feuerquallen. (Obwohl mir die Leuchtquallen, die es dort auch geben soll, schon einen tüchtigen Schreck einjagen.) Aber ins Mittelmeer oder gar andere Ozeane setze ich so schnell nicht mal mehr eine Zehe.
Nur für eines war es doch gut: Die Ohrenquallen erscheinen mir sogar Schwärme-weise und hautnah gleich um ein Vielfaches sympathischer. Nicht nur harmlos, sondern meiner Meinung nach von allen Quallen auch die schlichtesten und ästhetischsten.
… eigentlich war ich auf der Suche nach den ersten Forschern, die den Vermehrungszyklus der Ohrenqualle um 1900 herum beschrieben haben, hab mich dann aber festgelesen. Sehr schöner Text
@watcherx: Tja, damit kann ich leider nicht dienen.
Aber Danke für den Kommentar, schön, dass Dir der Text gefallen hat.
Dann hat sich die Mühe – habe einige Stunden recherchiert und geschrieben – doch gelohnt.
Gemessen an meiner Besucherstatistik ist der Text offensichtlich – neben “Harry Potter” und den mannigfaltigen Gefahren beim Genuss von Leitungswasser
– der absolute Renner, aber bisher hat sich keiner von den vielen Besuchern zu Wort gemeldet.
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