Schattendings

Geschichten aus dem Dunkel seit 2002

Inhalt:

Interview mit einem (Teilzeit-)Vampir

Letzte Woche wurde ich für ein Buch interviewt in meiner Eigenschaft als leidenschaftlicher Kostüme-Bastler. :fan:

Rebekka Nietzke schreibt an ihrer Diplomarbeit bei Professor Peter Wippermann, dem Gründer des Trendbüros in Hamburg, mit dem Titel “Generation Geek”. Ob und wo es nachher als Buch verlegt wird, ist noch nicht klar, aber es gibt schon mehrere interessierte Verlage.
Das Ganze wird aufgeteilt sein in einen Teil mit Fotos und Interview mit den “Geeks” – z.B. ein Komponist, eine Marathonläuferin, ein Priester, ein Hacker, die Weltmeisterin im Einradfahren, eine Digital-Künstlerin, ein Messerspezialist, ein Fesselkünstler, der Autor eines bekannten Tabletop-Rollenspiels und eben auch ein Cosplayer. Der zweite Teil wird der wissenschaftliche sein mit Fakten und Erklärungen zum Phänomen “Geek”.

Auf mich aufmerksam wurde sie durch eine gemeinsame Bekannte, Sabine vom FedCon-/Ringcon-Video-Team. Sabine lobte sie in den höchten Tönen ;) , die Leseprobe klang gut, ihre Mails machten einen netten Eindruck – nicht zuletzt, weil wir einige Gemeinsamkeiten bei Haustieren (Katze), Musikgeschmack (“Nightwish”, “Subway to Sally”) und Hobbies (klassischer Gesang) hatten – also warum nicht. Ausserdem war es mal eine neue Erfahrung – ok, nicht völlig so neu ;) , aber zumindest eine willkommene Abwechslung zum Alltag.

Und natürlich habe nichts gegen ein bißchen PR in Sachen Kostüme. ^_^ Während es immer die gleichen Leute mit ihren ewig gleichen Kostümen schaffen, bei so ziemlich jeder Genre-Veranstaltung ihr Gesicht in irgendwelche Kameras zu halten :augenroll: , waren meine letzten Jahre in Sachen Feedback äußerst mager aus diversen Gründen. Ich laufe den Presseleuten nicht hinterher wie einige andere, aber wenn ein seriöser und sympathischer Jemand an meine Tür klopft, schicke ich ihn auch nicht nach hause. :D

Als sie mir als Leseprobe den Abschnitt über einen Komponisten mit Interview und Bildern als PDF schickte, dachte ich mir noch: Lustig, der Typ heisst Ernst Horn. Eine Seite weiter: Hmm, der sieht sogar ein bißchen aus wie Ernst Horn, aber der hat nicht so eine Matte. Zwei weitere Seiten später dann endlich bei Anblick der Links am Ende des Artikels: Oh, es IST Ernst Horn. :kopfueber:
Und wer jetzt nicht weiss, wer DER Ernst Horn ist, hat keine Ahnung von Musik der Schwarzen Szene. :P Wir reden hier über den Komponisten von “Deine Lakaien” und zahlreichen anderen Bands.
Nach Besuch dieses Blogs ahnte sie natürlich, dass ich der Vorstellung, in einem Buch neben Ernst Horn interviewt zu werden, nicht widerstehen könnte. :verliebt:

Das Interview fand bei mir zu hause statt und dauerte gut 2 h. Ich hoffe, ich habe nicht zuviel Unsinn erzählt oder Wesentliches vergessen, aber ich war eigentlich ganz zufrieden mit mir.

Am Schluss machte sie noch Fotos von den Hobby-relevanten Dingen in meiner Wohnung: meinem Lieblings-Drakh, der als Deko auf einer Büste auf einer Vitrine im Wohnzimmer steht, in der auch Dinge lagern wie der Es-gibt-keinen-Löffel-Löffel :D der “Matrix”-Aktion, diverse Waffen zu Kostümen, die bei Wettbewerben gewonnenen Pokale und Urkunden und die noch seit der FedCon herumliegenden :oops: “Star Wars”- und “Harry Potter”-Kostüme. (Ich bin sonst ordentlicher Mensch, aber ich war zu faul, den Kram in meinen ohnehin überfüllten Keller unterzubringen, obwohl ich sie für eine ausstehende Fotosession für meine Kostüm-Website sowieso in absehbarer Zeit wieder brauche. Bisher passten Witterung und Terminplan leider nicht zueinander.)

Von mir machte sie auch Fotos – die ich wahrscheinlich wie die meisten Fotos von mir nicht mögen werde :,( ;) – allerdings nur in zivil. Für Fotos in den verschiedenen Kostümen hätte sie nicht 2h, sondern 2 Tage bleiben müssen wegen der Masse und des Schminkaufwandes. ;)
Sie suchte sich deshalb ein paar schöne von meiner Kostüm-Website aus, die meisten davon wurden mit meiner Kamera gemacht. Wegen der Bilder von anderen Fotografen habe ich diese Woche an ein halbes Dutzend anderer Fans eine Rundmail herumgeschickt und um Erlaubnis gebeten. Der Fotograf wird natürlich namentlich erwähnt werden, Honorar gibt es allerdings keines – von ewigem Ruhm und Ehre einmal abgesehen. ;)
Die Fotos werden dabei nicht einfach so “nackt” verwendet, sondern eine Fotomontage daraus erstellt. Sie hat mir einige gezeigt, z.B. von einem Priester und einer Marathon-Läuferin, ich fand sie sehr schön.

Ich bin gespannt, was sie aus mir und meinem Interview macht und auch auf den wissenschaftlichen Teil des Buches, der erklären soll, welche Unterschiede und Gemeinamkeiten die verschiedenen Geeks haben, warum sie das tun und es sie gibt usw. – wie gesagt, aus wissenschaftlicher Sicht. Warum ich persönlich so viel Zeit und Geld darin investiere, ist mir relativ klar. ;)

Die Definition von “Geek” ist offensichtlich vielschichtig und ambivalent, wie der dazugehörige Wikipedia-Artikel und die Diskussion zeigen.
Ein Teil der Definition ist dabei ziemlich negativ geraten. Rebekka hat es sicher nicht in diesem Sinne gemeint, und ich kenne es eigentlich auch nicht als abwertende Bezeichnung, höchstens etwas wunderlich.
Diese Definitionen aus Wikipedia kommen dem, was sie und ich meinten, schon näher:

  • Person mit stark gesteigertem Interesse an Computern und neuen Medien, häufig mit einer intensiven Beziehung zum Internet.
    (Nun, offensichtlich. :D )
  • Eine Bezeichnung für eine Person, die sich bevorzugt und in gewisser Weise obsessiv mit Themen, Ansichten oder Kleidung auseinandersetzt, die abseits des Mainstreams liegen. Häufig findet die Bezeichnung Anwendung für eine hohe Intensität und Beständigkeit im jeweiligen Gegenstand oder der Tätigkeit des Interesses (vgl. Gothic, Cyberpunk, o. ä.).
    (Ja, auch das könnte ich unterschreiben, wobei mir das obsessiv mißfällt.)
  • Praktisch alle Themenfelder und Kulturbereiche haben ihre eigenen Geeks. Es gibt außer den genannten politischen Geeks, Geeks der Geographie, Geeks der Naturwissenschaften, Anime- und Manga-Geeks, Modellbau-Geeks und “Star Trek”-Geeks (Trekkies). Geeks sind eine globale Erscheinung. Sie fassen immer eine extrem hohe Begeisterungsfähigkeit für ein bestimmtes Thema zusammen. Tatsächlich hat ein Geek oft gute soziale Fähigkeiten und Beziehungen; einzig die interaktive soziale Verhaltensweise von Geeks auf ihrem jeweiligen Fachgebiet sowie die Kommunikation von Geeks untereinander ist für Nicht-Geeks meist unverständlich.
    (Das kann ich alles so bestätigen.)

Demnach dürfte ich sogar ein “Mehrfach”-Geek sein. Mit einem schon 5 Jahre altem Weblog, eigenen Websites seit 1998, Internet-Zugang seit 1994, eigenem Computer seit C64 und der Tatsache, dass ich mittlerweile meine Brötchen mit all dem verdiene, dürfte ich zumindest noch ein Geek im Bereich Computer, Websites und Bloggerei sein.
(Lustigerweise habe ich mir bei Thinkgeek erst neulich ein T-Shirt mit der Aufschrift I’m blogging this. bestellt. :D Es gab auch eines mit der Aufschrift <geek>.)
Meine LARP-Vergangenheit und Musik-Liebhaberei in aktiver und passiver Form hingegen dürften wahrscheinlich zum Prädikat Geek nicht reichen.

Informationen zum Eintrag: Id 243 09.08.2006 21:44 Uhr 1021 Wörter, 14mal angesehen Kategorie(n) Fandom, Vertraulichkeit: 0 Tags , , , , Kommentare nicht (mehr) erlaubt Trackbacks / Pings nicht erlaubt
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6 Reaktionen

Mme Geek hat diese Aufmerksamkeit reichlich verdient, so ein Honigbalsam für die Seele ist immer herrlich und lindert ein wenig Dein Aufmerksamkeits-Defizit. :huepf:
Ich weiß gar nicht, ob meine Faszinationen ausreichen, um mich als Geek für irgendetwas zu bezeichnen. Am ehesten wäre ich demnach ein jungianischer Psycho-Geek und ein Lipophilie-Geek, zumindest Geek genung, um vom Rest der Menschheit nicht verstanden zu werden.
Ich bin schon sehr gespannt auf das Buch. In einem Atemzug mit Ernst Horn genannt werden, wow, das ist doch was. :koenig: Muss ja zugeben, dass ich auch nicht wußte, wer ERnst Horn ist. Ich kenne die ganzen Namen der Bandmitglieder nicht *schäm* :x

Kommentar 1 10.08.2006 08:09 Uhr
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Bea

ich definiere das Wort “Geek” ganz für mich eigentlich als grundweg positiv, weil es ja in erster Linie bedeutet, das jemand viel weiß – von diesem oder jenem Thema oder auch relativ “breidbandig”. Wenn mich jemand als Geek bezeichnet nehme ich es also als Kompliment :]

“Thinkgeek” ist übrigens auch ein Laden, bei dem ich mein gesamtes Geld verlieren könnte ;) Habe dort schon viel zu viel ausgegeben….

Kommentar 2 05.03.2008 17:05 Uhr

Whoa Bea, da hast Du aber einen alten Eintrag ausgegraben. o_O ;)

Das bei Thinkgeek erstandene T-Shirt (I’m blogging this.) habe ich übrigens an dem Tag getragen, als sie für das Interview zu mir kam. Sie erwähnte das dann auch im fertigen Kapitel über mich (hier herunterzuladen). :D
Ich darf auf der Seite auch nicht zu viel Zeit verbringen, sonst tue ich Dinge, die ich bzw. mein Konto hinterher bereut. ;)

Kommentar 3 05.03.2008 17:18 Uhr
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Bea

*g* (alter Beitrag) ich versuche “aufzuarbeiten” was ich versäumt habe. hat ja keinen Sinn wenn ich nicht weiß, was in der vergangenheit war. Allerdings ist das ja sooo viel, dass es wohl länger dauern wird.
Rechts an der Seite, diese Schlagworte finde ich da übrigens super praktisch :)

Kommentar 4 06.03.2008 14:07 Uhr

Aaah, Du nutzt die “Wortwolke” (neudeutsch genannt tagcloud)? Ausgezeichnet. :daumenhoch: Die meisten Nutzer machen einen großen Bogen drumherum. Anfangs mochte ich die Dinger auch nicht, aber inzwischen bin ich ein Fan der Verschlagwortung. :fan: Einmal ist es wirklich sinnvoll, um Themenverwandte Einträge zu finden, dann ist es interessant zu sehen, welche Gewichtung die einzelnen Themen insgesamt im Blog haben, und die Suchmaschinen lieben das auch. :D

Kommentar 5 01.04.2008 00:26 Uhr
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Bea

Kann gar nicht verstehen, dass sowas bgelehnt wird. ist doch genau aus den v. dir genannten Gründen enorm praktisch

Kommentar 6 01.04.2008 12:38 Uhr

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