Schattendings

Geschichten aus dem Dunkel seit 2002

Inhalt:

“Subway to Sally”: Akustik-Tour-Konzert

Flammen sind nun meine Freunde,
Sollen mir im Dunkel leuchten,
sollen mich ein wenig wärmen,
mich und meine kalte Wut.

Dieses Zimmer meiner Kindheit brenn’ ich immer wieder nieder.
Was mich frieren lassen hatte,
ist nach Stunden nur noch Glut
durch meine kalte Wut.

Ich bin ein Stern aus flüssigem Metall.
Ich bin ein Stern, alles wird in meinen Armen Asche.
Ein Stern – doch kein Feuer blendend weiß taute je in mir das Eis.

Subway to Sally, “Feuerkind”


Ticket für Subway to Sally am 26.04.2006 in WuppertalDas letzte Album “Engelskrieger” von "Subway to Sally" hat mich so dermaßen abgeschreckt, dass ich mir die Band ewig lange überhaupt nicht mehr angehört habe.
Nicht nur, das das Teil eine Un-CD war, die man nicht auf dem PC abspielen konnte – denkbar schlecht, wenn man Musik wie ich in Ermangelung einer Stereoanlage grundsätzlich nur darüber hört. (Es geht mit einigem Aufwand dennoch, wenn man die Stücke in Audio-Dateien umwandelt, was ich für meinen MD-Player ohnehin machen musste. :lauschen:)
Nein, vor allem war der Stil komplett anders als alles, was ich von StS bisher kannte und mochte. Nichts mehr mit Schalmeien, Streichern und Dudelsack, es klang mehr wie "Rammstein". Wobei ich "Rammstein" nicht schlecht finde – aber auf einer CD von "Subway to Sally" sollte bitte auch genau selbiges drin sein. Außerdem fand ich die Texte bei zwei, drei Lieder extrem irritierend. Düster, traurig, zweideutig usw. in dem für StS üblichen Maß ist durchaus in Ordnung und gewünscht, aber DAS war mir teilweise einfach zu krass. 8-O
Die CD habe ich mir deswegen bisher kaum ein halbes Dutzend Mal angehört. Nachdem ich mich neulich allerdings noch einmal durchgerungen habe, sie mir noch einmal genauer anzuhören, finde ich einige der Lieder eigentlich ganz gelungen…

Die neue CD “Nord Nord Ost” kannte ich jedenfalls aus diesen Gründen überhaupt nicht, und an ein Konzert hätte ich selbst nicht gedacht, wenn Ingo mich nicht drauf aufmerksam gemacht hat. Weil auf lange Zeit leider kein anderes halbwegs interessantes Konzert in Sicht ist und für den günstigen Kartenpreis von 20 € wollte ich trotz der “Engelskrieger”-Verstimmung der Band noch einmal eine Chance geben. ;)

Am Mittwoch, dem 26.04.2006, war ich dann mit Ingo, Ted und seiner Frau Lizzy – die beiden kenne ich noch vom Kölner Trekdinner – sowie zwei Bekannten von ihnen in Wuppertal im Theater Rex bei dem dortigen Konzert der Akustik-Tour.

Oder wie die Band es selbst nennt: “Subway to Sally nackt”. :D Dies war allerdings – leider oder glücklicherweise ;) – nur musikalisch gemeint, d.h. alle produzierten Geräusche waren Hand- bzw. Mundarbeit. Elektronische Elemente gab es keine, von der reinen Verstärkung per Mikro und Lautsprecher einmal abgesehen.
Und ich muss sagen: Respekt! Diese Leute haben musikalisch wirklich etwas drauf, die meisten inklusive des Sängers spielen sogar mehr als nur ein Instrument. Ich habe noch nie so viele Instrumente bei einer einzigen Band auf einmal auf einer Bühne gesehen, zwischen den Songs wurde ständig ausgetauscht.
Vermutlich erklärt das auch, weshalb alle das ganze Konzert über auf Stühlen bzw. regelrechten Thrönen saßen: Wenn sie umhergelaufen wären, wäre früher oder später jemand über die herumliegenden Instrumente gestolpert. ;)

Diese Lieder wurden gespielt, in chronologischer Reihenfolge der Alben. Bei den Liedern in Klammern bin ich mir nicht 100%ig sicher.

  • “Die Braut” (Album “Album 1994″, 1994)
  • “Arche” (Album “MCMXCV”, 1995)
  • “Sag dem Teufel” (Album “Foppt Den Dämon”, 1996)
  • “Der Hofnarr”
  • “Abgesang”
  • “Julia und die Räuber”
  • “Traum vom Tod II”
  • “Maria”
  • “Mephisto” (Album “Bannkreis”, 1997)
  • “Unterm Galgen”
  • “Ein Baum”
  • “Das Rätzel”
  • “Kruzifix”
  • “Liebeszauber”
  • “Element des Verbrechens”
  • (“Schlaflied”)
  • “Böses Erwachen” (Album “Hochzeit”, 1999)
  • “Minne”
  • “Ohne Liebe”
  • “Kleid aus Rosen” (Album “Herzblut”, 2001)
  • “Sieben” (Album “Nord Nord Ost”, 2005)
  • “Feuerkind”
  • “Das Rätsel II”
  • “Schneekönigin”
  • (“Feuerland”)
  • (“S.O.S”)
  • … außerdem ein Kirchenlied und ein mittelalterliches “Allelujah”, das durchaus mit der Schelmish-Version konkurrieren konnte.

Soweit war ich damit zufrieden, wenn ich auch gerne weitere Songs gehört hätte wie “Veitstanz”, “Wenn Engel Hassen” und “Henkersbraut” – aber man kann ja nicht alles haben, sonst hätten sie am nächsten Tag noch gespielt. :,( ;)
Viele Lieder kannte ich nicht, aber das liegt an mir, ich habe längst nicht alle Alben. Das eine oder andere werde ich mir aber künftig noch zulegen. (Amazon hat schließlich hin und wieder wirklich günstige CD-Schnäppchen. ;) )
Bemerkenswert: Nicht ein einziges Lied von “Engelskrieger”. Man könnte jetzt vermuten, das liege am Akustik-Charakter und der Tatsache, dass dieses Album sehr Metal-lastig war. Aber das ist "Nord Nord Ost" auch, dennoch ließ es sich bei jenem Konzert gut spielen und anhören. Wahrscheinlich bin ich nicht die einzige, die man mit jener Scheibe verschreckt hat…
Übrigens wurde fast die Hälfte der Songs erst nach der Verabschiedung als Zugabe gespielt. Mit weniger hätten wir uns wohl auch nicht zufrieden gegeben – “Ohne Liebe” geht es nun wirklich nicht. Das war der erste Song, den ich je von der Band gehört habe und der heute noch zu meinen Favoriten zählt…

“Subway to Sally” sind aktuell:

  • Erik Hecht aka Eric Fish: Gesang, Dudelsack, Schalmei, Windcontroller
  • Michael Boden aka Bodenski: akustische Gitarre, Gesang, Drehleier
  • Simon Michael Schmitt: Schlagzeug
  • Michael Simon aka Simon: akustische Gitarre, Gesang
  • Ingo Hampf: elektrische Gitarre
  • Silke Volland aka Frau Schmitt: Violine
  • Silvio Runge aka Sugar Ray: Bass

Vermutlich nicht ganz einfach, bei den vielen Simons und Michaels oder beidem zusammen in variierender Reihenfolge den Überblick zu behalten. ;)
Bei der Akustik-Tour war außerdem ein Cellist dabei, dessen Namen ich mir leider nicht gemerkt habe – was seinen Beitrag allerdings nicht abwerten soll, ohne Streicher wäre es sicher nur halb so schön gewesen.
Wieder einmal hat es mir der Drummer besonders angetan. Mit Stöcken herumzuwirbeln ist zwar Simon Michaels Job, aber er tat das eben nicht nur zur Klangerzeugung, sondern auf recht spektakuläre Art auch nur für den Showeffekt. Außerdem sollte man dem Mann vielleicht doch mal ein Mikro geben, ich glaube, er sang die ganze Zeit alle Texte mit. Als er als erstes auf die düstere Bühne kam, dachte ich erst: “Eine Frau.” Dann: “Ein Elb!” und dann erinnerte er mich mit den hellen langen Haaren, schlanker Figur in schwarzem Ledermantel – wie der Rest bis auf die Streicher auch, als wären sie gerade der Matrix entsprungen – an die Wraith aus “Stargate Atlantis”. Zu seinem großen Glück waren das allerdings die einzigen Gemeinsamkeiten. ;)
Eric Fish hatte übrigens wieder Haare. ;) Als wirklich schön kann man seine Stimme nicht bezeichnen – ich als Musical- und Opernfan bin da halt kritisch – aber er trifft die Töne, auch live, und singt unheimlich gefühlvoll, wie man z.B. bei “Seemannslied” aus dem neuen Album sehr gut hören kann.

Ansonsten finde ich es wieder einmal bemerkenswert, dass das Publikum und vor allem die Band gut gelaunt waren und eine angenehme Stimmung im Saal herrschte. Das entspricht meinen bisherigen Erfahrungen: Die auf Promotion-Fotos besonders finster dreinblickenden Gothic- und Metal-Bands sind live eigentlich ganz lieb. Siehe “Edguy”, “Nightwish”, “Within Temptation” und “Deine Lakaien”.
Die Band – zumindest diejenigen, die das Privileg hatten, ein Mikro zu besitzen :teufel: – frotzelten, scherzten und disktutierten zwischen den Liedern miteinander und mit dem Publikum, wie ich es bisher nur bei “Edguy” erlebt habe.

So hartnäckige Fans habe ich auch selten erlebt. Scheint irgendwie ein Insider-Gag auf StS-Konzerten zu sein, die Band mit “Blut, Blut, Räuber saufen Blut”-Chören (wieder) auf die Bühne zu locken:

Blut, Blut, Räuber saufen Blut.
Raub und Mord und Überfall sind gut.
Hoch vom Galgen klingt es,
hoch vom Galgen klingt es:
Raub und Mord und Überfall sind gut!

[Subway to Sally, "Julia und die Räuber"]

Da es mein ersters StS-Konzert war, kannte ich das so auch noch nicht, aber man ist ja anpassungsfähig und die Texte kenne ich immerhin. Für Außenstehende wäre der Haufen potentieller Satanisten die solche Zeilen gröhlen vermutlich recht beängstigend gewesen. :P
Das Konzert endete, wie es begann, nämlich mit jenem Refrain. Eric Fish meinte, wir wüssten ja schon Bescheid, wie oft das zu singen sei, und gesellte dann sich zu dem Rest seiner Kollegen hinter der Bühne. Und das Publikum sang tatsächlich sieben Mal brav das Ganze herunter. ;)

- Ich nicht. Ich mag die Mitsinge- und Klatscherei auf Konzerten generell nicht. Ich bin da, um die Band zu hören, nicht mein eigenes Geklatsche und Gesinge oder das anderer Zuhörer. Und ich habe mich auch hingesetzt, obwohl zu Ende der Rest des Saals herumstand oder -tanzte.

Das allerdings weder aus Protest noch weil mir das Ganze nicht gefiel, sondern weil die müden alten Knochen irgendwann den Dienst versagen oder mit Schmerzen reagieren. Allerdings half das alles leider auch nichts, die obligatorischen Kopfschmerzen schlugen nach kurzer Zeit wieder zu. Ich vertrage wirklich nichts mehr, selbst so ein harmloses Mini-Konzert – mit ca. maximal 400 Besuchern in einem kleinen Theater mit Sitzplätzen (!) und selbst für mich nicht zu laut – strengt mich an. :,( Obwohl… Habe ich das je? :zweifel:
Zu allem Überfluss musste ich am nächsten Tag auch noch um 5 Uhr aus den Federn. Ich war zwar schon kurz nach 23 Uhr wieder zu hause, aber musste erst noch duschen und Tasche packen für die wöchentliche Übernachtung in Tagesklinik-Nähe. Macht nicht mal 4 Stunden Schlaf. :fertig: Da ich allerdings mit den Kopfschmerzen vom Vortag wieder aufwachte und sich aus unerfindlichen Gründen Übelkeit dazu gesellte, fühlte ich mich dem stundenlangen Trip per Bahn zur Klinik nicht gewachsen und meldete mich krank. (Klingt komisch, ist aber so.)

Das aktuelle Album “Nord Nord Ost” habe ich mir danach sogleich bei Amazon bestellt. Es läuft derzeit in Dauerschleife bei mir, gefällt mir also gut – diesmal ist es typisch “Subway to Sally”. Am besten gefallen mir neben dem Single-Hit “Sieben” “Feuerkind” und “Schneekönigin” (Tharanis, Du würdest sicher auch Gefallen an den letzten beiden Liedern finden. ;) )
Allerdings weigerte sich auch dieses Teil, mit dem Windows-Mediaplayer auf dem PC abgespielt zu werden. :grr: Im Gegensatz zum Vorgänger drängt es einem aber zumindest nicht einen proprietären Player auf.

Übrigens wäre ich sehr dankbar, wenn mir jemand endlich erklären würde, wer in Morgoth’ Namen eigentlich Sally ist und warum man mit der U-Bahn zu ihr fahren muss. :? ;)

Informationen zum Eintrag: Id 226 15.05.2006 18:32 Uhr 1578 Wörter, 35mal angesehen Kategorie(n) Unterhaltung, Vertraulichkeit: 0 Tags , , , , Kommentare nicht (mehr) erlaubt Trackbacks / Pings erlaubt
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3 Reaktionen

Huhu Jessica

Es ist immer wieder lustig wie ähnlich unser Musikgeschmack ist, “Subway to Sally” mag ich nämlich auch sehr gerne – und vom letzten Album gefallen mir auch “Schneekönigin” und “Feuerkind” am besten ^_^ . Wo wir gerade beim Thema sind, kennst du “Schandmaul” und “Therion”? Könnten dir beide gefallen.
Ansonsten wollte ich mal lieben Dank für deinen Eintrag bei mir im Blog sagen. Bin momentan ehrlich gesagt seelisch nicht so toll drauf und von daher hab ich keine Lust zu bloggen – mal gucken wann sich das ändern wird…
Aber ich lebe noch ;) und es ist auch soweit nichts Schlimmes passiert oder so. Die beste Neuigkeit von allen: Thorsten hatte seine Berufungsverhandlung wegen unserem Nachbarn – und das Verfahren wurde eingestellt. Der Nachbar hat sich nämlich vor Gericht so richtig verhaspelt. Ganz freisprechen konnte der Richter ihn nicht, weil er dann gleichzeitig den Nachbarn wegen Falschaussage hätte anklagen müssen und dafür die Beweise nicht gereicht haben. Von daher ist das eigentlich das Beste was wir rausholen konnten, zumal unser Anwalt ihm vorher nicht viel Hoffnung gemacht hat. Wir sind zufrieden und können jetzt endlich mit der leidigen Angelegenheit abschliesen. Soweit zu mir, wünsche dir alles Liebe!

Ganz liebe Grüße Tina

Kommentar 1 16.05.2006 02:21 Uhr
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Tharanis

Subway to Sally gefällt mir immer besser: intelligente Texte aus der Seelentiefe, power-Musik und ein Sänger mit Charakterstimme. :huepf:
Hm diese “schrecklichen” Lieder, die selbst Dir zu düster sind, musst Du mir mal vorspielen. ;)
Auch die Schneekönigin möchte ich gerne hören und all die anderen Lieder, aber da wird es ja demnächst eine Gelegenheit geben :kopfueber:
Therion kann ich übrigens auch empfehlen: Metal in Combi mit Chören, göttlich. Dass Subway sich von den Dudelsäcken abgewandt haben, finde ich nicht schlimm. Ab und zu finde ich Dudelsäcke ganz schön, aber eben in Maßen, sonst hört sich jedes Stück gleich – eben nach Dudelsack an.
Was ich bisher von Schandmaul gehört habe, kann ich auch empfehlen.
Hm – vielleicht sollten wir nächstes Jahr endlich mal aufs WGT nach Leipzig fahren !!!

Kommentar 2 17.05.2006 17:32 Uhr

Hallo, Jessica, intelligente Texte sind immer rar. Vergleiche mal mit dem, was an Grand Prix geboten war 8-O und das nennt man singen? :kotz: Haben dir Monster Rocker aus Finnischen Sümpfen gefallen? :augenroll: Grüße, Gwen

Kommentar 3 23.05.2006 17:45 Uhr

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