Etwas verspätet der Bericht meiner Tour nach Worms zu Jaxa und nach Wiesbaden anläßlich des “Deine Lakaien”-Konzertes vor einer Woche:
Am Freitag hatte ich Urlaub genommen und bin mittags mit dem Zug nach Worms gefahren. – Ausnahmsweise hatte ich keinen Sitzplatz reserviert und es gleich bereut, die ICs waren proppevoll, obwohl an dem Datum ja wirklich nichts besonderes war.
Jaxa holte mich am Bahnhof ab. Da ich das letztes Mal Silvester 2001 bei ihr war, kannte ich das “neue” Haus noch gar nicht. Wir aßen etwas, stylten uns gruftig und fuhren mit dem Auto eine Stunde nach Wiesbaden. Die Wegbeschreibung war ab Abfahrt von der Autobahn etwas kryptisch und wir waren uns nicht sicher, an welcher Ampel wir zur Konzerthalle abbiegen mussten. Als wir – zwei schwarz gekleidete Personen in einem schwarzen Auto – an einer Ampel hielten, stieg aus dem Auto vor uns – schwarzes Auto mit schwarz gekleideteten Personen – ein Mann aus, der zu uns kam, an die Scheibe klopfte und meinte, dass wir ihnen nur folgen müssten, wenn wir zu “Deine Lakaien” wollten.
Die Konzerthalle hieß “Alter Schlachthof”, weil es früher mal einer war. Die Vorstellung finde ich als Vegetarier ziemlich eklig, aber zum Glück erinnerte nichts mehr daran erinnerte und, wie Jaxa sagte: Besser sie machen aus den alten Schlachthöfen Konzerthallen, anstatt dass da noch weiter Tiere umgebracht werden…!
Zwischenzeitlich hatte ich bei den sehr Elektronik-lastigen Liedern in dieser Örtlichkeit inmitten der hüpfenden schwarzen Masse das Gefühl, im Film “Blade” zu stecken.
Falls sich jemand an das Blood Bath der Vampire in der Schlachthof-Disko-Halle erinnert…
Wir tauschten unsere per Internet bestellten Gutscheine an der Abendkasse in richtige Karten um und stellten uns in die Schlange der überwiegend schwarzen Gestalten. Das Publikum war recht gemischt und reichte von extrem gruftig bis Normalo in Blue Jeans und jung bis alt. Die Schlange war zum Glück nicht sehr lang, aber es fing plötzlich an, heftig zu regnen. Als Jaxa ihren knallroten Snoopy-Regenschirm auspackte, mussten einige Leute lachen.
Aber immerhin, WIR blieben trocken im Gegensatz zu denen.
Das ermutigte ein schwarzes Grüppchen neben uns dann, ihrerseits einen knallpinken Schirm aufzuspannen.
Langsam machte sich Unmut breit in der wartenden Masse, die immer mehr durchweicht wurde, weil die Türen verschlossenen blieben, obwohl es nur noch wenige Minuten bis zum offiziellen Einlass waren. Oder wie jemand meinte: Das erzeugt schon mal die melancholisch-düstere Grundstimmung.
Als wir endlich als welche der Ersten rein durften, stürmten wir erst mal zur Toilette, solange es noch so leer war, und sicherten uns einen Platz am rechten Rand der Halle wenige Meter vor der Bühne. Da dies kein Metal-Konzert war, konnte man die Nähe zu den Boxen riskieren, ohne einen bleibenden Hörschaden zu riskieren.
Und wir hatten auch wirklich Glück, es wurde zwar irgendwann doch recht voll und am Anfang versperrte uns ein Presse-Fuzzi die Sicht, weil er sich zusätzlich zu seinen 1,90 m mit ausladendem Hut noch auf seinen Fotokoffer stellte, um Bilder zu schießen, aber danach hatten wir die ganze Zeit über freie Sicht auf die Band, ohne uns den Hals zu verrenken und zudem noch ausreichend Bewegungsfreiheit.
Glücklicherweise gab es keine Vorband. Da warte ich eh immer nur ungeduldig drauf, dass endlich die Band kommt, wegen der ich eigentlich dort bin. Allerdings ließen sich “Deine Lakaien” Zeit und kamen erst mit über einer halben Stunde Verspätung. “Deine Lakaien” gibt es schon seit 15 Jahren, die Band besteht eigentlich nur aus 2 Personen, die sich ab und zu noch Unterstützung holen: dem Münchener Ernst Horn, Komponist und Keyboarder, und dem Mazedonier Alexander Veljanov, Sänger. Übrigens finde ich letzteren sehr schnuckelig und gut erhalten.
Wir haben uns gefragt, wieviele Flaschen Haarspray er wohl in dieser Frisur hat, die jeden Centauri vor Neid erblassen lassen würde.
Ernst Horn kann man den Dieter Bohlen der Independent-Musikszene nennen, neben den Lakaien hat er seine Finger noch in den Bands “Helium Vola”, “Qntal” und “Estampie”. Allerdings sind seine Werke qualitativ gut.
Alexaner Veljanov tritt auch noch als Solokünstler auf.
Meiner Erfahrung nach liebt oder hasst man diese Musik, die irgendwo zwischen Dark Wave, Pop, Electronik und Techno liegt, manchmal mit klassischen Instrumenten garniert. Die meisten Stücke sind schon düster. Manches ist ziemlich experimentell und wahrscheinlich ein Schock für nicht an so etwas gewohnte Ohren. Mein Bruder fragt jedesmal, was das für ein “Kack” ist, wenn es bei mir läuft, Ingo nannte es “Musik zum Selbstmord”
, aber es gab auch immer welche, die fragten, was das denn ist, das höre sich gut an.
Die Band war fast die letzte meiner noch existenten Lieblingsbands, die ich noch nicht live gesehen habe. Ich warte jetzt nur noch auf “Linkin Park”…
Zu unserer großen Freude spielten sie keineswegs Acoustic wie ursprünglich angekündigt, sondern brachten neben dem ganzen Synthesizer-Kram noch eine ganze Band mit: einen E-Gitarristen (den Jaxa ziemlich schnuckelig fand
), einen Cellisten (wusste gar nicht, dass es die auch in blau-metallic gibt) und zwei Violistinnen (die Frauen sangen später auch die zusätzlichen Vocals).
Die Lichtshow dazu war echt gut gemacht. Ernst Horn haute leidenschaftlich in die Tasten, der Gitarrist in seine Saiten, und auch die Streicher standen nicht regungslos herum. Veljanov beschränkte sich aufs Umherlaufen und Gestikulieren. Man wusste nie, ob er Anweisungen an die Tontechnik gab oder ob das zum Lied gehörte.
Einmal flutschte ihm der Knopf im Ohr raus und er bekam ihn nicht mehr rein, weil er mit Singen und Mikro halten beschäftigt war, da eilte dann ein grinsender Tontechniker herbei und fummelte ihm das Teil wieder an den richtigen Platz. Veljanov musste selbst lachen, was bei einem düsteren Lied wie “Colorize” ziemlich witzig war.
Überhaupt war die Stimmung ausgesprochen gut. Die Musik ist natürlich nicht überwiegend fröhlich oder bombastisch wie bei “Nightwish” u.ä., aber entgegen gängiger Vorurteile gegenüber der Szene standen auch nicht alle dumpf und bedröppelt in der Gegend herum.
Ich fand das Konzert sehr gelungen und weniger anstrengend als alle zuvor und es war auch das günstigste bisher, die Karte kostete 22 € und ein paar Gequetschte.
Wer diese Art von Musik mag, sollte sich die Tour nicht entgehen lassen!
Leider erinnere mich nicht an alle Lieder, die sie gespielt haben. Seltsamerweise könnte ich eher die aufzählen, die sie auf gar keinen Fall gespielt haben.
Einige wenige Stücke waren mir auch ganz unbekannt, weil sie Bonustracks von Singles oder sehr alt waren.
Manche der Lieder waren gegenüber der CD-Version etwas abgewandelt bzw. verlängert, aber sie klangen live mindestens genauso gut wie auf CD, insbesondere der Gesang.
Nach 1 h und 15 Minuten verabschiedeten sie sich schon und wir starrten uns ungläubig an, weil wir nicht glauben konnten, dass das schon alles war. Aber ließen sich nach ohrenbetäubendem Applaus noch zu einer Zugabe bewegen. Nach zwei Liedern wollten sie sich wieder verkrümeln, aber das Publikum ließ sie auch diesmal nicht gehen. Nach weiteren 2 Liedern war dann endgültig Schluss.
Wir quetschten uns durch die hinausströmende Menge und wartetem am überfüllten Merchandising-Stand, um für Jaxa die Kasmodiah-CD und Poster und für mich ein Girlie-Shirt und Poster zu ergattern. Wir haben bestimmt 20 Minuten gewartet, bis wir endlich dran waren, aber immerhin war dann der Weg nach draußen frei. Das “April Skies”-Tour-Poster ziert jetzt mein Büro.
Nach dem Konzert sind wir direkt ins Bett gefallen und haben gemütlich ausgeschlafen – oder es zumindest versucht, denn in der Nacht hat Kater Karlo alle Hausbewohner aus dem Schlaf gejault. Außer mir, nach der Woche mit sehr wenig Schlaf war ich so k.o., dass ich wie ein Stein geschlafen habe, obwohl ich sonst von so etwas immer wach werde.
Am Samstag mittag gab’s dann einen Crashkurs in Sachen Adobe Photoshop.
Wirklich tolles Programm, ich würd’s glatt kaufen, wenn ich 1000 € über hätte.
Besonders die Gradient Maps und Brushes waren beeindruckend, bin schon gespannt, was ich damit alles zukünftig zaubern kann.
Nachmittags sind wir in die Stadt gefahren und Eis essen gegangen – Schokobecher für Jaxa und Walnussbecher für mich. Anschließend waren wir Shoppen.
Im New Yorker hat Jaxa Oberteile gekauft und im H & M gegenüber haben wir uns mit Snoopy-Unterwäsche, -Schlafanzügen und -Haargummis eingedeckt.
Zu guter Letzt haben wir bergeweise Gemüse fürs Abendessen gekauft – lecker Salat natürlich.
Der Kater wurde mit Fleisch bestochen, damit er nicht mehr so quengelig ist und vielleicht eine Nacht ruhig ist.
Als wir abends Mails gecheckt haben, stellte ich fest, dass Herr B. aus D. mir geschrieben hat. – Wie blöd kann ein einzelner Mensch eigentlich sein?? Ich habe mich wider meine Vorsätze doch aufgeregt und wieder viel zu viel darüber geredet. Jaxa wollte dann sehen, wer das eigentlich
ist, also habe ich ihr die “War Stars”-Website gezeigt und wir haben uns durch den Fanclub-Thread im RingCon-Forum und seine Seite “Fasteam”-Webseite gequält – oder eher köstlich amüsiert?
Bin ja beruhigt, dass nicht nur ich das lächerlich finde, sondern auch Unbeteiligte.
(Zum Inhalt der Mail später eventuell mehr.)
Wir haben noch bis tief in die Nacht über das Thema, aber auch andere und erfreulich gequatscht. Am Sonntag ging’s dann nach einem gemütlichen Frühstück mittags zurück nach hause.
Was das Wochenende jedoch mehr beeinträchtigt hat als Herr B. waren die Grübeleien über die anstehende Dienstreise und wie üblich meine üblen Kopfschmerzen. Die ganze Woche davor ging es mir ja schon schlecht selbst für meine Verhältnisse und daran konnten auch die gemeinsamen Tage nichts ändern.
Davon abgesehen war es aber ein sehr schönes und entspanntes Wochenende, das man gerne öfter so machen kann. Danke Jaxa!
Huhu Jessica
Bisher kenne ich nur ein einziges Lied von “Deine Lakaien” – “Over and Out”, aber das gefällt mir sehr gut. Muss mir doch mal ne CD von denen kaufen, glaub ich
.
Was mir gerade aufgefallen ist, genau dasselbe Poster von Nightwish hängt über unseren Bett – mir scheint allerdings, das das von uns einen Tick größer ist – kann aber sein, dass das auf dem Bild auch täuscht.
Dir noch ein schönes Restwochenende!
Liebe Grüße Tina
P.S.: Was in der Mail von Herrn B. stand würde mich ja glatt interessieren *fies_bin*
.
Jaxa
*g* Das erinnert mich daran, dass ich ja eigentlich auch noch einen Bericht über das Deine Lakaien Konzert schreiben wollte, Werbung quasi… Hrm, ich glaube ich verweise einfach auf Deine perfekte Zusammenfassung, besser kriege ich das eh nicht hin
Es freut mich auf jeden Fall, dass Du Spaß hattest! Von mir aus können wir das gerne mal wiederholen…
Da mich die liebe Queeny auf der letzten RingCon drauf ansprach, habe ich das mal korrigiert: Alexander Veljanov ist Mazedonier, nicht Kroate.
- Und jetzt weiss ich endlich, wer das war, der sich so intensiv mit ausgerechnet diesem Eintrag aus den Tiefen des Archivs beschäftigt hat, war mir schon fast unheimlich.
Queeny
Yo, Jessica, das war ich
Bin eben zu neugierig, wenn es um meine Lieblingsband geht…
Greetings from Ruhrpott
Queeny
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