Hier wie versprochen und etwas verspätet noch der ausführliche Bericht vom Besuch der Ausstellung “Das Goldene Jenseits” in der Bundeskunsthalle in Bonn am 28.03.2005.
Scott und seine Freundin Kirsten warteten um 11 Uhr des Ostermontags am Neusser Hbf darauf von Micha und mir mit dem Auto abgeholt zu werden. Dank meiner Navigationskünste
kamen wir ohne Probleme um 12:30 Uhr an der Bundeskunsthalle an. (Für die FedCon-Gänger: Auf der Allee des Maritim-Hotels ein kurzes Stück weiter Richtung Stadtmitte.) Wie zu erwarten war es proppevoll, die ganze große Vorhalle war voller Leute. Wir stellten uns an der Kasse an. Bis wir die Karten hatten, dauerte es nur rund 20 Minuten – aber da sinnvollerweise immer nur eine begrenzte Anzahl von Leuten gleichzeitig in die Ägypten-Ausstellung durfte, bekamen wir nur Karten für 15 Uhr.
Um die Zeit zu überbrücken, waren wir im Souvenir-Shop – ich konnte mich wider Erwarten gut zusammenreissen, nicht noch mehr Götterstatuen anzuschaffen, da die dort das Doppelte kosteten wie in diversen Neusser Geschenkeshops und im Internet – und im Café und haben uns lecker Kaffee bzw. Kakao und Kuchen (“ägyptischer Feigenkuchen”) gegönnt und die andere Ausstellung angesehen, die ebenfalls in der Halle stattfand:
Schleier und Krone, eine Ausstellung über Kunst aus mittelalterlichen Frauenklöstern.
Es gab künstlerisch durchaus beeindruckende Exponate wie meterlange gestickte Teppiche, wo selbst die Schattierungen fein gestickt wurden, oder die filigranen Zeichnungen in Gesangsbüchern mit Blattgold und allerhand Schnörkel. Aber alles zeigte fast ein und dasselbe Motiv, natürlich die Passion Christi, ab und zu auch andere blutüberströmte Schmerzensmänner und -frauen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir da eine Art “Comic”, wo in einem halben Dutzend Szenen die “Leiden von Frauen, die ihre Kinder ihrem Glauben opfern” illustriert hat, wo heulende Frauen gezeigt wurden, die sich angesehen haben, wie Henker unter heftigem Blutgespritze ihren Kindern Köpfe und Hände abgeschlagen haben. Was wohl ein Psychologe heute zu so etwas sagen würde? Auch schön: Werkzeuge, mit denen man – oder in dem Fall frau – sich selbst prima geisseln konnte, falls es der Schmerzen nicht schon genug waren, besonders effektiv in Kombination mit von Männern verfassten Gebrauchsanweisungen.
Da kann ich mich nur Scotts Meinung anschließen: Das Christentum ist echt nicht meine Welt. Diese Besessenheit von Schmerz, Leid, Sünde und Schuld finde ich ziemlich abartig.
Nein, da sind mir die angepriesenen Gottheiten und ihre Anhänger im Hauptsaal weitaus sympathischer: Die sind mit Opfern in Form von Erntegaben oder Gold zufrieden, wenn sie enttäuscht von ihrer Schöpfung sind, ziehen sie sich meist nur schmollend in den Himmel zurück wie Ra, und man hat unter rund 400 Lokalformen die Auswahl. Schon deshalb fällt es da schwer, sich wegen des Glaubens an einen bestimmten Gott gegenseitig die Schädel einzuschlagen.
Man kann die beiden auch einfach zu einem vermischen.
Kurz zu Tut Anch Amun:
Tut Anch Amun regierte von 1.333 bis um 1.323 vor Christi und war auch unter seinem Thronnamen Neb Cheperu Re bekannt. Als Vater gilt Amenophis IV, besser bekannt als Echnaton. Wer die Mutter war, weiss man nicht genau, wahrscheinlich die Geliebte Echnatons, Kija, des Weiteren kommen Nofretete und auch Maketaton in Betracht.
In seiner Regierungszeit kehrte er sich ab von der Politik seines unbeliebten Vaters, der den Glauben reformiert, den Klerus abgeschafft und statt vieler Götter nur noch den Glauben an einen Gott, Aton, die personifizierte Sonne, zugelassen hatte. Tut Anch Amun ließ die Kultstätten restaurieren und die Rückkehr zu den alten Göttern zu.
Zu seiner Zeit war Tut Anch Amun eigentlich ein recht unbedeutender Pharao, aber durch seinen mysteriösen frühen Tod und die Entdeckung seines Grabes durch Howard Carter ist er heutzutage einer der bekanntesten. Das Grab muss kurz nach seiner Beisetzung einmal geplündert und wieder verschlossen worden sein, dennoch enthielt es einen einzigartigen Fund von rund 5000 Gegenständen.
Der Tod des Königs mus plötzlich und unerwartet gekommen sein, denn er wurde in einer nichtköniglichen Gruft im Tal der Könige bestattet. Über die Todesursache und das Sterbealter wird unter den Ägyptologen heftig diskutiert, es schwankt zwischen 18 und 27 Jahren, als Todesursache kommen sowohl natürlicher Tod als auch Mord in Betracht.
Die Mumie Tut Anch Amuns befindet sich noch heute in seinem Grab.
Manche der Exponate wie die großen Statuen standen frei herum, natürlich mit einem Aufpasser daneben, die meisten befanden sich jedoch in temperierten Glaskästen. Da viele der Exponate sehr kostbar oder filigran waren wie der Goldschmuck und andere nur aus empfindlichem Holz, war das nur logisch. Zu jedem Exponat gab es natürlich eine kurze Erklärung, dazu hatte man bei den thematisch passenden Ecken längere Texte an die Wand geschrieben, z.B. über die Architektur der Gräber oder die Pharaonen selbst.
Es gab auch zahlreiche stark vergrößerte Aufnahmen vom Fund des Grabes.
In der Mitte der Ausstellung war ein Raum, der die Originalgröße der Grabkammer hatte, wo man die Darstellung aus dem Grab an den entsprechenden Wänden angebracht hatte, auf dem Boden war eingezeichnet, welche Größe die ineinandergeschachtelten Särge hatten.
Die häufigsten ausgestellten Gegenstände waren Uschebti, dies sind Miniatur-Skulpturen des Verstorbenen, die an dessen Stelle jenseitige Aufgabe übernehmen soll, z.B. ein Gebet an die Götter richten, das dann auf der Skulptur angebracht war. Kein Wunder, denn im Grab Tut Anch Amuns fanden sich über 400 Stück von den Dingern. Selbst im Jenseits war er ein vielbeschäftiger Mann.
Was ich witzig fand und vorher auch nicht wusste: Viele der in Gräber beigelegten Gegenständen sind lediglich Modelle. Ich wunderte mich irgendwann, dass an den Exponaten immer dran stand “Modell einer Vase” o.ä. Das heisst aber nicht, dass das Exponat bloß eine Reproduktion ist und nicht aus dem Grab stammt, sondern nur, dass es keine funktionstüchtige Vase ist, sondern bloß ein Modell einer Vase. Es kann nicht wirklich als solche benutzt werden, weil es nicht hohl ist.
Viele Exponate waren mir gänzlich unbekannt, z.B. so exotische Dinge wie ein Herrscherstab, dessen gebogenes Ende die Form eines gefesselten nubischen Gefangenen hatte, um “die Macht des Pharao zu verdeutlichen”.
Einige der Exponate waren sehr berühmt und mir bereits vorher bekannt, wie die Zepter des Pharaos, ein Spiegelkasten in Form eines Ankh-Symbols, ein Uschebti, der wie eine Miniatur des Sarkophages von Tut Anch Amun aussah, ein Kanopenverschluss aus Alabaster in Form des Kopfes einer Göttin, ein Halskragen mit Abschlüssen in Form von Horusfalken und diverse Statuen des Pharao aus vergoldetem Holz.
An diesen Exponaten staute es sich regelrecht. Wir mussten fast schon eine Viertelstunde warten, um einen Blick auf den Kragen und den Spiegelkasten zu werfen.
Die berühmte Goldmaske war nicht dabei, aber das wusste ich schon vorher.
Beeindruckend fand ich auch eine große Büste Echnatons. Bekanntermaßen unterscheiden sich die Darstellungen aus dieser Zeit vom üblichen idealisierten Stil ägyptischer Bildnisse. Der Pharao sieht darauf sehr streng aus und erinnerte mich unheimlich an die Darstellung Ras in “Stargate”.
Am größten war ein goldener und reichverzierter Sarkophag. Ich glaube, es war der von Tuja oder sogar das ihrer Tochter Teje, Gemahlin von Pharao Amenophis III, die Echnaton und Nofretete gut bekannt waren und auch im Tal der Könige begraben wurden.
Die schönsten Exponate war für mich neben dem Uschebti in Form des Goldsarges in Miniaturform diverse Schmuckstücke, insbesondere ein Kopfschmuck für eine Frau aus Gold mit Geier und Uräus-Schlange und die Pektorale. Wie die meisten Schmuckstücke waren die Pektorale aus Gold mit Mustern oder ganzen Bildern aus eingelegten Halbedelsteinen wie Karneol.
Ja, die alten Ägypter hatten Geschick und Geduld und einen unvergleichlichen Sinn für Ästhetik.
Die Statuen und Zeichnung zeigen alle schöne Menschen und Götter mit verklärtem bis rätselhaften Gesichtsausdruck.
Nach ca. 2 h hatten wir alles gesehen und mir gingen die vielen Leute langsam auf die Nerven und die Füße wollten auch nur noch irgendwo sitzen. Am Abend war ich völlig k.o.
Im Gästebuch der Bundeskunsthalle finden sich viele negative Kritiken der Ausstellung, aber ich kann nicht meckern. Klar war es voll, aber das ist doch nicht die Schuld der Veranstalter. Den Besucherandrang haben sie mit dem zeitversetzten Einlass ganz gut geregelt. Dass die Goldmaske nicht dabei war, wurde ebenfalls vorher gesagt, und ist auch verständlich. Nachdem schon bei Ausstellungen Exponate beschädigt wurden, würde ich an Stelle der Ägypter die Sachen auch nicht mehr ins Ausland wandern lassen. Die Ausstellung ist nicht vergleichbar mit z.B. dem Ägyptischen Museum in London, aber für als Ägypten-Fan wird man sich bestimmt nicht langweilen.
Man muss sich allerdings beeilen: Die Ausstellung läuft nur noch bis zum 1. Mai 2005.
Jaxa
Bevor ich es wieder vergesse, das wäre vielleicht etwas für Dein zum Thema passendes Kostüm:
Von Dove gibt es eine Körperlotion mit leichtem Goldglitzer-Effekt (dezent, es schimmert einfach sehr schön golden im Licht), das wäre doch sicher etwas für Deine Göttin: Dove Silkening Body Lotion *g* Riecht auch sehr lecker, ist angenehm auf der Haut, kann ich nur empfehlen.
Auch nicht schlecht wäre vielleicht die hier, habe ich aber noch nicht getestet: Bebe Holiday Skin Body Lotion
Die werde ich mir wohl auf jeden Fall noch besorgen, die Bewertungen sind ja sehr positiv, und besser als in der Sonne zu braten ist das sicher
Anonymous
ich finde es toll dasss es in manchen städten z.b. in münchen ausstellungen über tut anch amun gibt:D
Die aktuellsten 10 Einträge sind auf der Startseite zu finden, ältere Einträge sind über das Archiv aufrufbar: