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Geschichten aus dem Dunkel seit 2002

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“Queen”-Musical “We will rock you”

meine Karte vom 27.03.2005Wie versprochen ein ausführlicherer Bericht über Michaelas und meinen Besuch in der Kölner Inszenierung am 27.03.2005, Ostersonntag Nachmittag:

Ort des Geschehens war der Musicaldome zwischen Rheinufer und Hauptbahnhof bzw. Dom, derzeit eine einzige Großbaustelle. Das Ding wird von den Anwohnern auch liebevoll genannt “die blaue Mülltüte am Rhein”. Tatsächlich hat diese komische Zeltkonstruktion die typische blaue Farbe von großen Müllsäcken. ;) Drinnen sieht es aber glücklicherweise gemütlicher aus. Seit der Erbauung waren dort schon etliche Shows zu Gast: “Gaudi” (das übrigens in meinem Geburtskaff Alsdorf Weltpremiere hatte!), “Jekyll und Hyde”, “Gambler”, “Saturday Night Fever” und eben jetzt “We will rock you”, das erst seit Anfang Januar dort aufgeführt wird. Soweit ich weiss, ist dies bisher auch weltweit die einzige Inszenierung. (Zur offiziellen Website geht es hier.)

Micha hatte die Karten heimlich knapp zuvor über ebay besorgt und mich eingeladen. – Ganz so nichtsahnend war ich allerdings nicht, denn wir hatten Wochen vorher schon einmal darüber gesprochen und sie hatte mich vorgewarnt, dass da ein Einschreiben kommt, das ich nicht vorher öffnen soll. Sonst kommen ja eher unangenehme Dinge per Einschreiben. Oder eben Konzertkarten. ;) Ausserdem wurde die ursprünglich für Sonntag geplante Tut Anch Amun Ausstellung auf Montag verschoben. ;) Trotzdem war ich natürlich baff. Die Karten waren nicht ganz billig und ich hatte ja nicht mal Geburtstag oder so. ;)

Wir saßen in der Mitte des Parketts in der 4. Reihe, also beste Sicht. Unsere zwei Karten hatten einem Pärchen gehört, das mit zwei weiteren Pärchen Karten in einer Reihe gebucht hatte. Als wir uns zu unseren Plätzen durchschlängelten, meinten die anderen schon Ah, Ihr seid die, die Karten über ebay gekauft haben! ;)

Die Handlung (Achtung Spoiler!):
Ungefähr 300 Jahre in der Zukunft. Die Erde, nun genannt Planet Ebay, wird kontrolliert von einem Konzern namens Globalsoft. Von Kleidung über Musik bis Polizei liegt alles in den Händen der Chefin, der Killerqueen. Musik wird nicht mehr von Menschen gemacht, sondern programmiert. Selbst musizieren oder nur Instrumente bauen ist verboten. Alle Menschen laufen gleich gekleidet herum, hören das Gleiche und denken das Gleiche.
Außer Galileo Figaro, wie er sich nennt, und Scaramouche, wie er sie nennt. Sie will kein “Gaga-Girl” sein und er träumt von Musik und Phrasen in der alten Sprache (Englisch), deren Bedeutung er nicht versteht. Die beiden treffen sich, nachdem sie von der Globalsoft-Polizei einkassiert und einem chirugischen Eingriff unterzogen wurden. Gemeinsam stoßen sie auf zwei “Bohemians”, die sie zum Rest des Widerstands bringen: junge Leute in Punk-Outfits, die ihr Hauptquartier im Heartbreak Hotel haben und sich nach verstorbenen Musikern benennen. Sie glauben in Galileo den gefunden zu haben, von dem die Legende berichtet, er soll ihnen den Rock wiederbringen.
Doch die beiden wurde ohne ihr Wissen verwanzt und führen die Polizei geradewegs zu den Rebellen. Alle werden gefangen genommen, nur das Liebespaar kann fliehen. Sie treffen später an den Seven Seas of Rhye auf den alten Hippie Bap und die Bohemians, die inzwischen alle gehirngewaschen wurden und nur noch apathisch abhängen. Bap zeigt ihnen seinen Schatz, eine alte Videokassette mit den ersten 10 Sekunden des “Bohemian Rhapsody”-Videoclips von “Queen”, und erzählt ihnen, wie der Rock untergegangen ist und mit ihnen auch die Bands und das Lebensgefühl. Alles fing an mit einem Phänomen namens “Deutschland sucht den Superstar”… Die Legende sagt, dass die Musiker von Queen vor ihrem Ende ihre Instrumente am “Ort der Champions” versteckt haben für den, der würdig ist, darauf zu spielen und der Welt die Musik zurückzubringen.
Die Drei machen sich auf zum Wembley Stadion, finden jedoch nur eine Ruine. Aber nachdem sich Galileo als würdig erwiesen hat, fällt ihm die E-Gitarre in die Hände und alles wird gut…

Ich wusste vorher rein gar nichts über das Musical bis auf die Tatsache, dass die Musik von “Queen” ist, und war umso erstaunter, dass es nicht nur um die Band ging, sondern es eine richtige Handlung gab, die auch noch zu den Songs passte.
Die meisten Lieder hatten den unveränderten Text in Englisch (“I want to break free” , “Another one bites the dust”), manche abgewandelten Text in Deutsch (“Radio Gaga”, “Killerqueen”). Wirklich gut gemacht, wie man zu den vorhandenen Liedern eine Handlung und Charaktere drumherumgestrickt hat. Am krassesten fiel das ganz am Ende bei “Bohemian Rhapsody” auf: Originaltext und passte trotzdem genau zur vorhergehenden Geschichte und den Charakteren. o_O
Insgesamt war es ein “Best of ‘Queen’”, wobei manche Lieder nicht ganz gespielt wurden, sondern so, wie es gerade zur Situation passte. Z.B. fragten sich das Pärchen und Bap, wie sie denn zum Wembley Stadion kommen könnten, und die Bohemians hinter ihnen sprangen auf und riefen Bicycle! ;)
Ich habe allerdings “Princes of the Universe” schmerzlich vermisst, grrr… ;)

Toll fand ich auch, wie man teilweise ganze Dialoge nur aus bekannten Liedtiteln und -zeilen gemacht hat. Z. B. erzählte mal einer der Bohemians von einer Alice, und jemand anderer meinte dann natürlich: Alice? Who the fuck is Alice?! Oder als die Globalsoft-Polizei Bap verhört hat und ihm Fragen stellte wie Wo liegt das Hotel California? So ging das die ganze Zeit über. :D
Schon die Namen der Bohemians waren ein Gag: ihr Anführer hieß Dieter Bohlen, daneben gab es noch Ozzy, Madonna (ein Kerl), Elvis und dergleichen mehr. Am besten fand ich jedoch Jeanette Biedermann, genannt J.B. – ein großer muskulöser Schwarzer. ;)
Das Bühnenbild gefiel mir, insbesondere die Ruine des Rebellen-Unterschlupfes, und was sie in vielen Szenen alles mit dem Bildschirm veranstaltet haben. Auch die Kostüme waren auch gut. Vielleicht nicht die von Galileo Figaro – Jeans, Shirt und Lederjacke. Aber bei den Bohemians haben sie das Beste aus Punk- und Gothic-Outfits zusammengetragen. Jeder sah anders aus, deswegen wurde es nie langweilig, sie anzuschauen. Die Killerqueen war auch klasse, besonders das scharfe schwarze Ledermantel-/Glitzerkostüm, das man auch prima mit ein paar Kilo zuviel tragen kann, wie sie bewiesen hat. Vielleicht wird das ja mein nächster Kostümplan… Aber frühestens 2007. ;)

Ich habe selten so eine gute Stimmung in einem Musical erlebt, es wurde mitgeklatscht und -gestampft (“We will rock you”), Feuerzeuge und Leuchtstäbchen geschwenkt (“We are the champions”), es gab am Ende minutenlang Standing Ovations und vor allem wurde viel gelacht. Da hat dieses Musical wegen des Themas, des Happy Ends und der schon bekannten Musik anderen Musicals natürlich viel voraus. Man kann es einfach nachempfinden, wenn man in der Zeit großgeworden ist. Zudem ist es zeitnaher alles andere: Es gibt es erst seit Anfang diesen Jahres, deswegen konnte über alle möglichen Geschehnisse gewitzelt werden, die noch gar nicht lange zurück liegen, sei es ebay, Daniel Küblböcks Gurkenlaster-Unfall, die blaue Mülltüte am Rhein, Bier aus Reagenzgläsern (auch genannt Kölsch) oder der “Herr der Ringe”-Hype.
Ein bißchen ernst wurde es nur bei der Hommage an die verstorbenen Rock-Legenden von Freddy Mercury bis Elvis und “Who wants to live forever”…
Selbst die Bösewichter, die Killerqueen und ihr Spitzel Kashoggi, waren sympathisch. Wenn ich da an die Grimassen der beiden bei den Gesprächen über Videotelefon und die Enthaarung der Bikini-Zone denke… ;)

Das Thema selbst – die zunehmenden Restriktionen der Musikindustrie und das Bestreben nach Anpassung und Konsum – allerdings ist ernst und wird erschreckenderweise jeden Tag realer und abstruser. Es würde mich wirklich nicht wundern, wenn so die Zukunft aussieht. Mich würde nur wundern, wenn es bis dahin noch 300 Jahre braucht…

Eigentlich waren die Chancen von vorneherein gut, dass es mir gefallen würde: Musical, Köln, “Queen”. Gleich 3 Dinge auf einmal, die ich mag. ;) Aber dass es mir so gut gefällt, hätte ich nicht gedacht. Ich glaube, ich habe die ganze Vorstellung über mit einem Dauergrinsen im Gesicht da gesessen. ^_^

Also, ich kann es nur empfehlen – sofern man eben dem Prinzip Musical und der Musik von “Queen” nicht abgeneigt ist und nicht mit Scheuklappen durch die letzten 3 Jahrzehnte gelaufen ist, denn sonst versteht man die ganzen Anspielungen nicht. Lärmempfindlich darf man übrigens auch nicht sein: Zumindest bei uns in der 4.Reihe war es ordentlich laut, teilweise heftiger als so manches Heavy Metal-Konzert, das ich miterlebt habe. ;) Und man sollte was zum Schwenken mitnehmen. Ich empfehle Knicklichter, da die Platzanweiser schon wegen der Brandschutzordnung bei mit den Saal geschleppten Jacken die Krise bekommen haben.

Micha, ich und der MusicaldomeNochmals ganz lieben Dank für diesen schönen Tag, Micha! :)

Und als nächstes freue ich mich auf “Tanz der Vampire” in Hamburg.
Und danach auf “Phantom der Oper” in Essen.
Und wie wär’s noch mit “Elisabeth” in Stuttgart? ;)

Informationen zum Eintrag: Id 159 13.04.2005 21:12 Uhr 1368 Wörter, 14mal angesehen Kategorie(n) Unterhaltung, Vertraulichkeit: 0 Tags , , , , Kommentare nicht (mehr) erlaubt Trackbacks / Pings erlaubt
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2 Reaktionen

Hallo Jessica
Danke für den schönen Bericht ^_^ .
Das Musical interessiert mich zwar gar nicht – ganz einfach weil ich die Musik von Queen gar nicht leiden kann – aber es ist trotzdem interessant zu lesen. Und die Idee mit der Geschichte um die Lieder rum, finde ich eigentlich ziemlich genial :D .
Und bei deinen nächsten Musicalbesuchen – um die ich dich echt beneide :rotwerd: – möchte ich auch wieder so ausführliche Berichte haben ;) .
Ich wünsche dir noch eine schöne Woche!
Liebe Grüße Tina

Kommentar 1 13.04.2005 21:26 Uhr
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Mohmoh

also treffender könnte man die Eindrücke, die “We will rock you” hinterlassen hat, wirklich nicht beschreiben. Auch ich war anfangs skeptisch, ob sie es schaffen, um die Queen-Musik eine passende Geschichte herum zu spinnen. Doch ich habe es selten erlebt, daß sich sehr bekannte Liedtexte so harmonisch und total ungekünstelt in eine Geschichte eingliedern . Normalerweise klingt das dann erzwungen und künstlich und kann einem wirklich den Spaß an der Sache verderben.

Es war mir eine Freude und Vergnügen, mit Jessica ins Musical zu gehen. Ich muß zugeben, daß ich noch nie so gute Plätze hatte.
…naja, bis auf einmal in Oberhausen: 1. Reihe in “Vom Geist der Weihnacht”, das war auch ein umwerfendes Erlebnis. Falls sie dieses Musical mal wieder dort spielen, kann ich jedem nur wärmstens empfehlen dort rein zu gehen. Es ist so komisch, daß es Dich manchmal vom Sitz reißt und dann wieder so herzzerreißend traurig und tragisch, daß man sich der Tränen nur schwer erwehren kann…

Leute, wenn Ihr Queen-Musik nicht völlig abgeneigt seid und noch keine Idee für Geburtstags-, Weihnachts- oder sonstiges Geschenk habt, dann holt Euch Karten für “We will rock you”!

Gesangs- und Kostümmäßig ein Augenschmaus. Mir hat’s eher Ozzys mit flachen Nieten besetzte Corsage angetan. Aber in der Beziehung bin ich nicht ganz neutral: ich liebe Corsagen.
Außerdem bin ich sowieso von der Sängerin, ihrer Stimme und den Tanzkünsten angetan. Spätestens als ich im Programmheft las, daß sie als einzige in “Jekyll and Hyde” (einem meiner Lieblingsmusicals) die Rolle der Lucy UND Lisa im Repertoire hat, war ich erstaunt und beieindruckt. Aber auch das ist keiner neutraler Standpunkt, weil ich mich irgendwie mit Lucy verbunden fühle. Ihr Schicksal ist so herzzerreißend traurig und tragisch. Hab ich schon erwähnt, daß ich ein Faible für tragische Geschichten und Charaktere habe?

Liebe Grüße, Micha

Kommentar 2 18.04.2005 07:23 Uhr

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