Sein Blick ist vom Vorübergeh’n der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf – dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.Rainer Maria Rilke
midge
Ich glaube das einfach nicht. Ich rede in den letzten zwei Wochen häufig mit einer Freundin über sensible Themen und wir streifen dabei immer wieder Rilkes Panther, den wir beide sehr mögen. Sie, weil sie gerne Gedichte mag und sie auch liest. Ich, weil ich Gedichte auch mag, dieses aber in “Zeit des Erwachens” kennen lernte.
Jetzt zitierst Du es.
Irgendwas stimmt nicht mit der Matrix.
Jaxa
Mein Lieblingsgedicht, und auch das einzige, das ich jemals auf Dauer auswendig gelernt habe
Mohmoh
Ich kannte das Gedicht zwar nicht , ich mag zwar gerade so tiefsinnige, traurige und beinahe sphärische Gedichte, auch wenn ich nicht gezielt Gedichte lese, sondern eher darüberstolple.
Doch dieses Exemplar hat es verstanden, mich auf Anhieb zu fesseln. So doof das klingen mag: ich sah durch die Augen des Panthers auf eine graue Welt, eingesperrt und weggeschlossen, doch unwissend der Schuld, die er auf sich lud, und unschuldig im Sinne eines Kindes. Gefangen in einem Netz, das er selbst nicht sponn.
Ich vergieße eine Träne um die Freiheit und den Frieden des Panthers,
Mohmoh
Jessica
Ich habe das Gedicht vor ein paar Tagen im FedCon-Forum gefunden und fand es so traurig, dass ich erst mal eine Runde heulen musste.
Um ehrlich zu sein, ist das immer noch der Fall, wenn ich es wieder lesen.
Es trifft wohl nicht nur auf Panther zu… Aber selbst wenn: Was Tiere betrifft, habe ich ja besonders nah am Wasser gebaut.
@Jaxa: Hmm, kenne ich überhaupt ein Gedicht auswendig? Oh ja:
Kalt sei Hand, Herz und Gebein,
Kalt der Schlaf unter’m Stein.
Nimmer steh’ vom Bette auf
Eh’ nicht endet der Sonn’ und des Mondes Lauf.
Die Sterne zersplittern im schwarzen Wind
Und fallen herab und liegen hier blind
Bis der Dunkle Herrscher hebt seine Hand
über tote See und verdorrtes Land.
[Grabwichtgedicht aus dem "Herrn der Ringe"]
@midge: Es gibt halt keinen Löffel. Und keine Zufälle.
midge
Ich möchte an dieser Stelle die Stelle mit den Zufällen ignorieren und auf den Film “Zeit des Erwachens” mit Robert deNiro und Robin Williams hinweisen. Regie: Penny Marshall. Hat keinen Oscar bekommen, weil ihm eine beabsichtigte Nähe zu Rain Man – die ich absolut nicht erkennen kann – von Seiten der Kritik unterstellt wurde.
Hervorragendes, tiefsinniges Kino mit hohen Parallelen zur Situation vieler sensibler Menschen.
Der erste Film, den ich jemals rezensiert habe.
Gwen
Ich habe früher Rilke sehr gerne gelesen. und natürlich auswendig gewusst, weil ich eine Cassette hatte mit Oskar Werner. ich mochte insbesondere “Der Narr” und “die Kirche von Nago”.
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