Tja, nun ist er schon wieder vorbei, der Moment auf den die “Herr der Ringe” Fans weltweit ein Jahr gewartet haben: der Start von “Two Towers” in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch.
Mittlerweile habe ich ihn bereits zweimal gesehen, wie üblich auch direkt in der Mitternachtspremiere am 18.12.02 – wie kann man besser in den mehr als wohlverdienten Urlaub starten?
Ich war wie letztes Jahr im Düsseldorf Ufa-Palast, mit noch mehr Bekannten, noch mehr Besuchern, noch mehr Verrückten in Kostüm (Anwesende eingeschlossen). Die meterhohen Statuen von Isildur und Anarion hatten sie wieder hervorgekramt und auch die Band “Wolfenmond” war wieder da – die Presse ebenfalls, die sich vorzugsweise auf arglose Spitzohren stürzte, aber die würgte ich mit einem knappen kein Kommentar
nach dem Film ab.
Viel los also und gute Stimmung wie auf einem Mittelalter-Markt.
Wie fand ich nun den Film? Gewöhnlich bin ich sehr unkritisch, was von mir heissersehnte Filme betrifft, insbesondere “Star Wars” und “Herr der Ringe”. Ich bin meist froh, dass überhaupt jemand diese Welten auf der großen Leinwand zum Leben erweckt.
Im Großen und Ganzen fand ich den Film auch dieses Mal gelungen, obwohl ich nicht so uneingeschränkt begeistert war wie bei “Die Gefährten”. (Achtung, es folgen massive Spoiler!)
Erst einmal zu den meiner Meinung nach negativen Dingen:
Es gab zu viele unnötige Änderungen. Der Angriff der Warge und Aragorns vermeintlicher Tod kommen im Buch nicht vor und sind überflüssig, der Angriff von Osgiliath und das Drumherum mit den Gondorianern ab dem Verbotenen Teich ebenfalls. Und warum bietet Frodo dem Ringgeist den Ring an und warum zieht dieser relativ kampflos wieder ab, wo er den Einen doch schon vor der Nase hatte??
Legolas, der Supermann: Der Stunt mit dem Pferd war beeindruckend und rief bisher in jeder Vorstellung ungläubiges Staunen hervor. Die Surfeinlage vor dem Wall von Helms Klamm war hingegen einfach übertrieben. Leider beeinflusst durch eine schlechte Kritik von “Spiegel online” (“Winnetou in Mittelerde”) erinnerte er mich zudem tatsächlich an einen Indianer, insbesondere wie er abrupt bei der Verfolgung der Uruk-hai stehenbleibt, etwas von einer roten Sonne und Blutvergießen erzählt, und direkt wieder weiterläuft.
Gimli hatte ein paar gute witzige Szenen, die Erzählung zu den Zwergenfrauen war wirklich nett, die Aufforderung an Aragorn, ihn vor das Tor mit den Orks zu werfen insbesondere als Anspielung auf den vorherigen Film ebenfalls, auch die Kamerafahrt vor den Wall, wo alle Soldaten in Richtung Ork-Armee sehen und man von Gimli nur die Spitze des Helmes erblicken kann; die Zählerei der erschlagenen Orks ist ja aus dem Buch entnommen. Aber damit hätte man es irgendwann gut sein lassen sollen. Gimli ist keine Witzfigur, nur weil er ein kleiner Zwerg ist und die Scherze während der blutigen Schlacht wirken unglaubwürdig und lassen keine rechte Dramatik aufkommen.
Faramir kommt zu schlecht weg. Ich kann mich gar nicht erinnern, dass er im Roman so sehr nach dem Ring geschmachtet hat und so unsympathisch wirkte.
Mir ist nicht ganz klar, warum nicht auch noch die Szene mit Saruman, Grima, den wiedervereinten Gefährten und dem Palantir am Ortheanc gezeigt wird. Hätte doch noch gut gepasst, jetzt muss man erst warten auf Teil 3.
Die Freigabe ab 12 fand ich schon bei “Die Gefährten” nicht in Ordnung und hier ebenfalls nicht. Ich hätte in dem Alter wahrscheinlich ständig Albträume danach gehabt.
Nun zu den positiven Dingen:
Wie auch schon der erste Film schafft es auch “Die Zwei Türme” überraschend gut, die Dinge so darzustellen, wie man sie sich beim Lesen vorgestellt hat – in meinem Fall zumindest.
Die Bilder waren wieder einmal überwältigend, insbesondere natürlich die Landschaften und Schlachtszenen, etwa wie Saruman auf den Balkon des Ortheanc tritt und unten Tausende von Orks stehen. Wie eine Freundin von mir sagte, man hätte von jeder Minute des Films ein Standbild machen können und es hätte perfekt ausgesehen.
Edoras und Rohan waren einfach nur wunderschön, dazu passte wieder einmal die Musik hervorragend.
Die Totensümpfe waren insbesondere von unten gesehen ziemlich gruselig, obwohl ich mir die Toten im Wasser subtiler und nicht bei hellem Tageslicht vorgestellt habe.
Besonders gefiel mir die Fahrt hinauf vom Fuße Barad-Dûrs mit der marschierenden Ork-Armee bis zur Spitze mit Saurons Flammenauge. – Wobei wir über Letzteres schon heftig gewitzelt haben. Während es im ersten Teil und im Trailer eher etwas von einer Vision hatte, hängt Sauron in “Die Zwei Türme” ständig und leibhaftig als flammendes Auge zwischen den Zinnen von Barad-Dûr. Die Neon-Reklame über der Festung des Dunklen Herrschers, die ganz Mordor erleuchtet… Da dieses Dasein ziemlich öde sein muss, kann man verstehen, warum er so sehr nach seinem Ring trachtet.
Der Anfang riss einen schon wieder direkt mit, und diesmal sogar wortwörtlich: der Kampf Gandalfs mit dem Balrog aus “Die Gefährten” bis zu dem Punkt, wo sie hinabstürzen in die Tiefen Morias – und diesmal auch der Zuschauer.
Sehr schön fand ich, dass wie schon beim ersten Teil einige Textpassagen fast original aus dem Roman übernommen wurden, wie beispielsweise Elronds Schilderung darüber, was Arwen an der Seite von Aragorn erwarten wird. Um das zu erkennen, muss man allerdings nicht nur den “Herrn der Ringe”, sondern auch die Anhänge desselben gelesen haben.
Die Elben, die nach Helms Klamm kommen, um mitzukämpfen, waren zwar auch nicht im Roman vorhanden, aber das war eigentlich eine schöne Sache. Insbesondere Aragorns heftige Umarmung des wie gewohnt kühlen Haldir.
Die Ents waren sehr gut gelungen, auch wenn mancheiner gemeckert hat, sie wären zu pixelig. Aber es sind halt Ents und daher dürfen sie ruhig etwas hölzern daherstaksen.
Es war auch gut, mal ein paar Ostlinge und Harradrim inklusive Mûmakil zu sehen. Letztere sind recht beeindruckend und das Outfit der Ostlinge gefällt mir gut. (Haben will!
)
Die Orks kamen überraschend gut weg. Gar nicht mal so blöd stellten sich die Uruk-hai in der Schlacht an und siehe da, sie können sogar ganze Sätze sprechen.
Besonders in Erinnerung blieb mir da der “Olympia-Ork”. :-O
Und natürlich Gollum! Das Zwiegespräch zwischen Gollum und… äh, Gollum, erntete heftige Klatscher. Im Buch war er mir eigentlich nur unsympathisch, im Film tat er mir einfach nur leid und sorgte für die lustigsten Szenen. Ich sage nur: Der fette Hobbit soll seine garstigen Tüften behalten!
Last but not least: Nazgûl! Ja, ich steh auf die Bösen und Ringgeister sind einfach nur cool. Das Auftauchen des ersten Ringgeistes war geschickt gemacht: Kreischen, Bild auf die Panzerhandschuhe und Zoom out, so dass man erst später sieht, dass er diesmal auf einem geflügelten Untier sitzt. Immer wenn die Nazgûl kamen, wurde es schön surrealistisch, was die Beleuchtung, Ton und slow motion betrifft.
Mein erster Gedanke nach dem Film war: Verdammt! Wieder ein Jahr warten bis zu Fortsetzung.
Ich werde ihn auf jeden Fall noch einige Male mehr ansehen, natürlich auch im Original. Und ich habe mir vorgenommen, das Buch noch einmal zu lesen. Das letzte – und erste – Mal liegt zwar keine 2 Jahre zurück, aber ich habe schon wieder so viel vergessen…
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